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Perspektiven der sanitätsdienstlichen Versorgung von Streitkräften in der ­Zukunft

Der Kernauftrag des Sanitätsdienstes der Bundeswehr (SanDstBw) umfasst die sanitätsdienstliche Versorgung entsprechend der Rettungskette, beginnend im Einsatz bis hin zur abschließenden Rehabilitation im Inland, im gesamten Spektrum militärischer Operationen und dem Betrieb Inland. Für die Erfüllung dieses Kernauftrages müssen Sanitätskräfte auch in der Zukunft anpassungsfähig sein und bleiben.

Gemäß den Vorgaben der Konzeption der Bundeswehr (KdB) sowie der Maxime des SanDstBw ist hierbei stets ein Behandlungsergebnis zu erreichen, das im Ergebnis qualitativ dem fachlichen Standard in Deutschland entspricht. Photo Bundeswehrfahrzeug Boxer.

Absicht ist es, die sanitätsdienstliche Versorgung vor dem Hintergrund der komplexen sicherheitspolitischen Dynamik, des demographischen Wandels, der zunehmenden Technologisierung, den wachsenden Herausforderungen im Einsatz und der Entwicklung der Gesundheitsversorgung in Deutschland unter den Bedingungen der Ressourcenlage angemessen und lagegerecht weiterzuentwickeln. Hierfür ist es notwendig, gemeinsame Abholpunkte für einen zukunftsfähigen Sanitätsdienst der Streitkräfte (SK) zu beschreiben.

Ziel dieses Artikels ist es, absehbare Herausforderungen an die sanitätsdienstliche Versorgung, im Jahr 2040, der SK anhand von ausgewählten Megatrends, die eine hohe Bedeutung für die sicherheitspolitische und gesellschaftliche Entwicklung aufweisen, abzuleiten.

Rahmenbedingung

Das notwendige Leistungsspektrum sanitätsdienstlicher Versorgung leitet sich in erster Linie aus den Anforderungen möglicher Einsätze ab. Das verfügbare Leistungsspektrum ist die Summe aller Fähigkeiten und Kapazitäten zum Schutz, Erhalt, zur Förderung und Wiederherstellung der körperlichen und geistig-psychischen Gesundheit. Die Einsatzbereitschaft der Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsdienstes ist durch Aus-, Fort- und Weiterbildung auf dem jeweils aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik zu gewährleisten. Dieser Anspruch gilt für das gesamte Spektrum medizinischer Versorgungsleistungen. Die KdB beschreibt die sanitätsdienstliche Versorgung als Bestandteil der Fürsorgeverpflichtung der Bundesrepublik Deutschland gegenüber ihren Soldatinnen und Soldaten und als entscheidend für die Einsatzbereitschaft und Moral der Truppe. Im Betrieb Inland ist die Förderung von Gesundheitsressourcen, die ambulante und stationäre Versorgung der Soldatinnen und Soldaten sowie die sanitätsdienstliche Ausbildung und der Kompetenzerhalt für den Auslandseinsatz zu gewährleisten.

Aus den für die SK beschriebenen Aufgaben ergeben sich für den Sanitätsdienst besondere, vielfältige Herausforderungen. So sind in der sanitätsdienstlichen Versorgung sowohl die Besonderheiten der internationalen Konfliktverhütung und Krisenbewältigung als auch der Landesverteidigung als Bündnisverteidigung zu betrachten und wo nötig und möglich zeitgerecht anzupassen. Insbesondere die aktuelle veränderte Sicherheitslage wird zu einer stärkeren Fokussierung auf die letztgenannte Aufgabe führen.

Annahmen

Es ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass in Einsätzen wie im Betrieb Inland, auch im Jahr 2040 die umfassende sanitätsdienstliche Versorgung einschließlich des Gesundheitsschutzes, der Diagnostik, der Rettung unter Abstützung auf den qualifizierten Patiententransport und die Therapie posttraumatischer Belastungen, mindestens weiterhin auf dem bereits erreichten Niveau zu gewährleisten sein werden.[1]

Die sanitätsdienstlichen Kräfte und Mittel der SK werden auch 2040 überwiegend in einem eigenständigen Organisationsbereich zusammengefasst sein. Dieser stellt grundsätzlich die sanitätsdienstliche Versorgung und Unterstützung einschließlich der Sanitätsmaterialversorgung der SK sicher.

Der Sanitätsdienst entwickelt im Rahmen der normativen und standesrechtlichen Vorgaben weiterhin eigenverantwortlich konzeptionelle Grundlagen für den Fachdienst und ist für die sanitätsspezifische, fachdienstliche Ausbildung der SK zuständig. Er wird hierbei durch die spezifischen Fähigkeiten der Sanitätsdienste der Teilstreitkräfte und der Streitkräftebasis im Rahmen deren Zuständigkeiten ergänzt.

Der Sanitätsdienst nutzt weiterhin die wehrmedizinische Forschung und Entwicklung als Grundlage für die kontinuierliche Weiter- und Zukunftsentwicklung der militärischen, einsatzbezogenen Gesundheitsversorgung. Die Gewissheit und das Vertrauen auf eine hochwertige sanitätsdienstliche Versorgung bleibt ein Motivationsfaktor für eigene Kräfte (Innenwirkung) sowie ein wesentlicher Aspekt der Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber (Außenwirkung). In Kombination mit dem Anspruch der Betrachtung des Menschen im Mittelpunkt und aufgrund der Fürsorgeverantwortung des Dienstherrn bleibt sie ein unverzichtbarer Aspekt jetziger und zukünftiger SK.

Darüber hinaus müssen im Rahmen freier Kapazitäten Sanitätskräfte weiterhin darauf eingestellt sein, auch die Zivilbevölkerung und zivile Organisationen im In- und Ausland (im Sinne einer Not- und Katastrophenhilfe) zu unterstützen.

Um im Einsatz gezielt wirken zu können, müssen SK durchhaltefähig physisch präsent sein und wenn erforderlich durchsetzungsfähig agieren können. Sanitätskräfte müssen unter Berücksichtigung des Grundsatzes „Sanität folgt der Truppe“ in der Lage sein, den zu unterstützenden Kräften folgen und ihre Versorgung sicherzustellen zu können.

Taktgeber Zukunft

Wesentlicher Taktgeber für die Zukunft sind Megatrends. Der Begriff geht auf den Begründer der modernen Zukunftsforschung, John Naisbitt[2], zurück. Er beschreibt Megatrends als die „Blockbuster“ der Veränderung. Megatrends sind langfristig, sie sind nicht nach wenigen Jahren beendet, sondern sie können über Dekaden Einfluss nehmen. Megatrends sind nicht isoliert zu betrachten und zu bewerten, sondern im Zusammenwirken untereinander. Megatrends beeinflussen unser gesellschaftliches Weltbild, beeinflussen unsere Werte, unser Denken und haben somit Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Sie bewirken tiefgreifende, mehrdimensionale Veränderungen aller gesellschaftlichen Teilsysteme und somit auch der SK. Megatrends haben prinzipiell einen globalen Charakter und sind dabei nicht zwangsläufig überall gleich stark ausgeprägt.

Die Einsatzgebiete/Einsatzszenare der SK 2040 und folglich auch des Sanitätsdienstes sind nicht eindeutig vorhersehbar. Jedoch sind im Rahmen der Bewertung von Megatrends und sicherheitspolitischen, gesellschaftlichen Entwicklungen Ableitungen/Annahmen von denkbaren Szenaren und Einsatzgebieten möglich.

Im Folgenden soll auf drei Megatrends eingegangen werden, die eine besondere Relevanz für die Zukunftsentwicklung des Sanitätsdienstes der SK haben werden:

Demographische Entwicklung und der Wandel der globalen Gesellschaft
Demographische Trends in Teilen Asiens, Sub-Sahara Afrika, dem Nahen Osten und dem Kaukasus werden vermutlich auch im Jahr 2040 die Bevölkerungszahlen hoch und das Durchschnittsalter gering halten. Im Westen Europas dürfte diese Entwicklung nach heutiger Einschätzung weiter gegenläufig sein. Die demographische Entwicklung ist hier durch die Alterungsstruktur gekennzeichnet. Die Sterberate ist in Deutschland seit 1972 höher als die Geburtenrate. Dadurch verliert die Bundesrepublik Deutschland insgesamt an Bevölkerung. Die sinkende Bevölkerungszahl kombiniert mit der höheren Lebenserwartung und dem damit einhergehenden Fachkräftemangel erschwert die Personalgewinnung für die SK, was entsprechende Folgewirkungen für den Sanitätsdienst entfaltet. Hieraus resultiert ein Konkurrenzkampf um Fachkräfte zwischen dem zivilen Gesundheitswesen und dem Sanitätsdienst der SK. Des Weiteren muss sich der Sanitätsdienst der SK auf ansteigende Zahlen älterer Soldatinnen und Soldaten sowie Patienten (Verletzte, Verwundete und Kranke) und sinkende Ressourcen (Fachkräfte) für deren Pflege und Versorgung vorbereiten. Um dem entgegenzuwirken, wurden erste Maßnahmen, z. B. die Anhebung des möglichen Einstiegsalters in die Bundeswehr oder die Einrichtung eigener Ausbildungsstätten für Pflegeberufe, getroffen. Von besonderer Bedeutung wird es daher sein, die Attraktivität des Dienstes in den SK insgesamt, vor allem auch für medizinisches Fachpersonal, durch entsprechende Anreize hoch zu halten.

Über 65 Prozent der Weltbevölkerung werden 2040 möglicherweise in Städten leben und die Urbanisierung überwiegend entlang großer Flüsse sowie in Küstennähe vorantreiben (Entstehung von Megacity´s). Durch die weitere Globalisierung nimmt der Personen- und Warenverkehr zu. Wo die Regierungsführung schwach ist, könnten diese Staaten/Regionen/Megacity´s zu Krisenherden mit destabilisierender Wirkung werden. Politische Instabilität, eine ungleiche Verteilung von Gütern sowie Umwelteinflüsse könnten die Migration weiter vorantreiben. Bei künftigen Einsätzen in solchen Gebieten hat sich der Sanitätsdienst auf Herausforderungen, wie z. B. Infektionen, Umweltnoxen, Strahlung, Seuchen, etc., einzustellen und vorzubereiten.

Neue Formen der Kommunikation und die Teilhabe von Nutzern aus Entwicklungsländern am globalen Austausch von Informationen könnten der Informationskultur, Digitalisierung und Vernetzung der Menschen neue Dimensionen verleihen. Dies könnte den SK und dem Sanitätsdienst als Plattform dienen, um zum einen Fachkräfte zu werben und zu gewinnen und zum anderen medizinisches Wissen zu vermitteln und auszutauschen.

Identitäten-Bildung, Polarisierung, Radikalisierung könnten beschleunigt und die Instrumentalisierung der öffentlichen Meinung zunehmend bedeutsam werden. Hier gilt es für den Sanitätsdienst, die Trends und die möglichen Einflüsse dieser Entwicklung zu erkennen und sich darauf zeitgerecht und angemessen vorzubereiten.

Technologischer Fortschritt
Im Jahr 2040 könnte der Alltag von permanenter technologischer Innovation geprägt sein. Mit dem Trend sinkender Kosten für Technologie könnte diese zukünftig einer größeren Anzahl von Menschen zugänglich werden.

Die Entwicklungen im Bereich der Informationstechnologie werden ein neues Maß an Vernetzung globaler Kommunikation und Information in den SK ermöglichen. Fortschritte bei der Datenübertragung werden zu einer höheren Informationsdichte führen. Neben einem größe­ren Datenvolumen und einer höheren Übertragungsgeschwindigkeit werden auch sicherere, u. a. biometrische Verschlüsselungen möglich (Elektronische Gesundheitsakte)- wenngleich dies wiederum eine Angriffsfläche für poten­tielle Aggressoren bietet (Stichwort „Der gläserne Patient“).

Durch den Einsatz von Nano- und Biotechnologie werden Informations-(biometrische Überwachung) und Kommunikationssysteme absehbar kleiner und preiswerter. Die Biotechnologie wird im Stande sein, komplexe Organe im 3D-Druck Verfahren zu produzieren.

Rechnergestützte Instrumentarien zur medizinischen Diagnose und Prognose werden zunehmend effizientere Entscheidungshilfen auch für komplexe medizinische Fragestellungen entlang der gesamten Rettungskette bieten.

Unbemannte Systeme verfügen für den Sanitätsdienst und insbesondere für die sanitätsdienstliche Versorgung über deutliches Potential und sind im gesamten Aufgaben- und Intensitätsspektrum (Verwundetentransport, Logistik, sanitätsdienstliche Versorgung und Unterstützung) einsetzbar. Zukünftig können sie einen weit höheren Beitrag zur Steigerung der Einsatzfähigkeit über das gesamte Fähigkeitsspektrum der Sanität und der SK leisten und die Durchhaltefähigkeit deutlich verbessern. Darüber hinaus eröffnet die technologische Entwicklung Möglichkeiten zur Unterstützung und Kompensation/Abmilderung von „Negativ Trends“ die z. B. durch den Demographischen Wandel (Fachkräftemangel) provoziert werden.

Hier gilt es für den Sanitätsdienst, vor dem Hintergrund der immer kürzer werdenden Innovationszyklen, der steigenden Anspruchshaltung der Patienten an das medizinisch Mögliche, den potentiellen Herausforderungen im Bereich der IT Sicherheit und gesicherte Datenübertragungskapazitäten, frühzeitig Trends und Entwicklungen zu verfolgen und wo möglich aktiv mit zu gestalten und dabei die erforderliche Weiterqualifikation des medizinischen Personals beizubehalten.

Gesundheitsversorgung
Ein nicht unwesentlicher weiterer Taktgeber ist der „Megatrend Gesundheitsversorgung“ selbst. Gesundheit bedeutet in diesem Zusammenhang (Westeuropa 2040) nicht mehr nur das Gegenteil von Krankheit, sondern ein Bewusstsein für die Balance der individuellen Lebensenergie und der damit einhergehenden Lebensqualität. In der Konsequenz wandelt sich die künftige Medizin vom spezialisierten Reparaturbetrieb in einen Sektor im Dienste des Gesundheitsprosumenten. Das steigende Gesundheitsbewusstsein erhebt in einer älter werdenden Gesellschaft die körperliche und geistige Fitness zur Schlüsselressource. Entsprechend wächst das Verlangen der Menschen (somit auch der Soldatinnen und Soldaten), durch „individuelles Gesundheitsmanagement“ und private Vorsorge zufriedener, besser und länger zu leben. Aus den Patienten der Gegenwart werden Kunden und gesundheitsbewusste Konsumenten. Hier gilt es für den Sanitätsdienst der Zukunft, rechtzeitig die Trends der Gesundheitsversorgung als Dienstleister zu erkennen und sofern möglich zu übernehmen, um auch 2040 gegenüber dem zivilen Markt als attraktiver und konkurrenzfähiger Arbeitgeber zu bestehen.

Die zunehmende Bedeutung des Gesundheitsschutzes berücksichtigt auch zukünftig die Förderung von Gesundheitsressourcen und den umfassenden Schutz vor Gesundheitsrisiken, hier insbesondere im Bereich der Bewältigung besonderer Lagen (Infektionen, Umweltnoxen, Strahlung). Hier gilt es für den Sanitätsdienst von heute und morgen, entlang der gesamten Rettungskette tragfähige Instrumente der Medical Intelligence, der Surveillance sowie gesicherte Verfahren zum Transport und zur Versorgung von Betroffenen weiterzuentwickeln.

Die Individualisierung der Medizin einschließ-
lich einer patientenindividuellen Medikation ist eines der wichtigsten Innovationsfelder der künftigen Gesundheitsversorgung. Ziel bleibt es jedoch, dazu beizutragen, bessere und schnellere Behandlungserfolge zu erreichen, zugleich Kosten zu reduzieren und einsatzbereite Kräfte zur Verfügung zu stellen (Soldiers Fitness).

Die Digitalisierung der medizinischen Versorgung, „E-Health“, ermöglicht eine bessere Interaktion zwischen Patient und den medizinischen Dienstleistern. Der Patient wird vollständig im Zentrum einer umfassenden Vernetzung stehen. Der intelligente Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien wird Gesundheitsversorgung, Therapie und Behandlungsverfahren, im Einsatz und im Betrieb Inland, massiv verändern.

Vor diesem Hintergrund gilt es für den Sanitätsdienst von morgen, den Soldaten und Gesundheitsprosumenten nicht nur im Rahmen des Kernauftrages zu versorgen, sondern vielmehr als Dienstleister zu agieren und weiterhin als attraktiver Arbeitgeber aufzutreten. Ziel muss es weiterhin sein, die gesellschaftlichen Entwicklungen und die somit projizierte Erwartungshaltung für die SK von morgen uneingeschränkt in der Ergebnisqualität zu erfüllen.

Zusammenfassung

Im Zuge der betrachteten Megatrends lässt sich folgern, dass auch im Jahr 2040 der Mensch im Rahmen der sanitätsdienstlichen Versorgung im Mittelpunkt stehen wird, jedoch unter anderen Anforderungen und Herausforderungen.

Vor dem Hintergrund der steigenden gesellschaftlichen Erwartung an die Gesundheitsversorgung, wird die Förderung einer leistungsfähigen sanitätsdienstlichen Versorgung entlang der gesamten Rettungskette die unverzichtbare Voraussetzung für die erfolgreiche Einsatzfähigkeit und Einsatzbereitschaft der SK sein.

Die für die sanitätsdienstliche Versorgung notwendigen Fähigkeiten und Kapazitäten leiten sich heute, wie auch 2040, aus den Gegebenheiten des Einsatzgebietes und der zu versorgenden Truppe und ihrem Auftrag ab. Hier gilt es, sich zeitgerecht den sich ändernden Rahmenbedingungen anzupassen, die technologischen Möglichkeiten zu analysieren und umzusetzen, so dass die Effizienz des SanDstBw weiter erhöht werden kann. Insbesondere sind hier die Möglichkeiten der fortschreitenden Technologisierung und Digitalisierung zu untersuchen und, wo immer angemessen, anzuwenden. Unter Umständen können sich daraus Chancen zur Kompensation von „Negativ Trends“ die z. B. durch die Demographie (Fachkräftemangel, ältere Patienten etc.) provoziert werden, in Teilen ergeben. Dabei ist die zunehmende Verwundbarkeit, welche mit der Digitalisierung und Vernetzung einhergeht, nicht außer Acht zu lassen.

Erfordern die zukünftigen Gegebenheiten Fähigkeiten, die vom Sanitätsdienst nicht abgebildet werden, so sind diese in künftigen Weiterentwicklungen in allen Bereichen des Verbundes Führung-Aufklärung-Wirkung-Unterstützung (FAWU) zu berücksichtigen. Grundlage für die Weiterentwicklung des Sanitätsdienst im Bereich der militärischen und hierbei vor allem einsatzbezogenen Gesundheitsversorgung ist die wehrmedizinische Forschung und Entwicklung, die die Anforderungen und Besonderheiten des militärischen Dienstes und der entsprechenden sanitätsdienstlichen Versorgung fokussiert untersucht. Dabei ist der Transfer gewonnener wissenschaftlicher Erkenntnisse und Ergebnisse in die angewandte Medizin, insbesondere in die Einsatzmedizin, sowie in die Lehrinhalte für die Ausbildung und den Kompetenzerhalt des Sanitätspersonals von grundlegender Bedeutung.

Darüber hinaus sollten ressortübergreifende und/oder multinationale Lösungen mit betrachtet und, wo möglich und sinnvoll, angestrebt werden, da auch andere Nationen und Organisationen medizinische Kapazitäten und Fähigkeiten als Mangelressource betrachten und bewerten. Im Rahmen möglicher Multinationalisierung sind Abkommen mit Partnernationen zu treffen, um gemeinsam mittel- und langfristig die aufgezeigten Herausforderungen zu bewältigen. Hierbei sind Kooperationen in der sanitätsdienstlichen Einsatz-Versorgung genauso ein Ziel, wie das Nutzen von Synergien in den Bereichen Forschung und Ausbildung.

Einsatzorientierung, Fähigkeits- und Prozess­orientierung, Streitkräftegemeinsamkeit sowie die Zusammenführung von Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung in einer Hand sind die Grundprinzipien, an denen sich der Sanitätsdienst ausrichtet, um sich den zukünftigen Herausforderungen erfolgreich und attraktiv zu stellen.

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[1]

gem. Teilkonzeption „Sanitätsdienstliche Versorgung“ vom 20. September 2005.

[2]
Der Begriff Megatrend ist in der Trendforschung bereits 1982 von John Naisbitt (ehemaliger US Politikberater) in dem Buch „Megatrends“ bekannt gemacht wurden.

 

Datum: 12.02.2016

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2015/4