Firmenporträt

„Wir stehen Medizinern und Pflegenden seit über 150 Jahren unterstützend zur Seite“

Kommend aus dem Bereich der Verbandstoffe und pharmazeutischen Produkte ist Smith & Nephew binnen knapp 160 Jahren zu einem der marktführenden Medizintechnikunternehmen geworden.

Mit WM sprach Jens Köhler, Key Account Manager, über die Fortschritte in der Medizintechnik, neuartige und innovative Behandlungsmethoden in den Bereichen Orthopädie, Traumatologie, Sportmedizin, Wundmanagement und Unterdruck-Wundtherapie. Das Interview führte Peter Geschwill. Photo

WM: Seit seiner Gründung im Jahr 1856 ist Smith & Nephew eines der marktführenden Medizintechnikunternehmen. Bitte geben Sie unseren Lesern einen Einblick in den Weg, den Smith & Nephew gegangen ist.

Smith & Nephew: Alles begann 1856 in einer kleinen Apotheke in Hull, England. Nachdem Thomas James Smith sein Pharmaziestudium erfolgreich abgeschlossen hatte, eröffnete er seine eigene Apotheke. Mit seinen Verbandstoffen und pharmazeutischen Produkten legte er den Grundstein für das heutige Unternehmen. 1896 stieg sein Neffe, Horatio Nelson Smith, ins Unternehmen ein, welches fortan als TJ Smith & Nephew firmierte.

WM: Die Wurzel Ihres Geschäfts liegt also im Bereich Verbandstoffe und pharmazeutische Produkte. Wie kam es zum heutigen breiten, ausgereiften Produktportfolio und den ausgewiesenen Kernkompetenzen in den Bereichen Orthopädie, Traumatologie, Sportmedizin, Wundmanagement und Unterdruck-Wund­therapie?

Smith & Nephew: Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, wurde Horatio Nelson Smith beauftragt, Verbände und Wundauflagen für die britischen Truppen herzustellen. Dies war der bisher größte Auftrag für das Unternehmen. Smith & Nephew hat aber nicht nur die Britische Armee versorgt, sondern auch die Französische, die Belgische und Serbische sowie, bei deren Eintritt in den Krieg, die Amerikanische und das Amerikanische Rote Kreuz. Inzwischen beschäftigte das Unternehmen 1 200 Mitarbeiter, um den erhöhten Bedarf an Wundversorgungsprodukten zu decken. In den darauffolgenden Jahren wurden Niederlassungen in Neuseeland, Kanada und den USA etabliert. Seit dem Ende des ersten Weltkrieges wurde das Produktportfolio stetig weiterentwickelt und ab 1998 wurden die Schwerpunkte in den Kernbereichen der Wundversorgung, der Sportmedizin und der Orthopädie gesetzt.

WM: Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Smith & Nephew weltweit und wie sind Sie aufgestellt?

Smith & Nephew: Smith & Nephew beschäftigt derzeit 14 000 Mitarbeiter in über 100 Ländern. In unserem Unternehmen wird eine Kultur der Leistung, der Innovation und des Vertrauens gepflegt, welche maßgeblich zu dem Erfolg von Smith & Nephew beiträgt. Unser Ziel ist es, Medizinern und Pflegenden unterstützend zur Seite zu stehen, während sie die Gesundheit ihrer Pa­tienten verbessern.

WM: Beobachtet man den Aktienkurs von Smith & Nephew fällt auf, dass die Zahlen konsequent bergauf zeigen; in den letzten drei Jahren hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt. Was steckt hinter diesem Trend?

Smith & Nephew: Wir haben eine klare Strategie und wir denken, dass uns diese befähigt, unsere Mission, Medizinern und Pflegenden mit innovativen Produkten zu versorgen sowie ein nachhaltiges Geschäft aufzubauen und Mehrwert für unsere Aktionäre zu liefern, zu erfüllen.

WM: Smith & Nephew steht für ein breites Portfolio qualitativ hochwertiger Produkte. ­Lassen Sie uns über Ihre einzelnen Produktbereiche sprechen. Im Segment Orthopädie ist Smith & Nephew Komplettanbieter im Bereich der Endoprothetik für jede größere Gelenkregion. Wie gestaltet sich die Arbeit auch im Hinblick auf die Entwicklung neuer Materialien und ­Technologien?

Smith & Nephew: Gemeinsam mit renommierten Ärzten und Wissenschaftlern forschen wir nach Produktlösungen für die individuelle Versorgung der Patienten, um ihnen ein aktives Leben zu ermöglichen. Die kontinuierliche Entwicklung neuer Materialien und Technologien ist uns dabei besonders wichtig, um dem Anspruch nach langlebigen Implantaten gerecht zu werden. Umso mehr lässt es uns deshalb aufhorchen, wenn es unseren Wissenschaftlern gelingt, die bestehenden Grenzen auszuweiten.

Ein Beispiel unserer innovativen Produkte ist OXINIUM* – eine Zirkoniumoxid-Legierung für Gelenkersatz, von der wir weltweit bereits mehr als eine Million Einheiten verkauft haben. Eingeführt 1997 für Knieersatz und 2003 für Hüftersatz ist das OXINIUM Material ein keramisiertes Metall, das Patienten eine bessere Verschleiß- reduzierung und Haltbarkeit als konventionelle Komponenten bietet1. In der Tat ist das LEGION* Primär Kniesystem mit VERILAST* Technologie (hochvernetztes Polyethylen mit OXINIUM) das einzige Knie-Implantat, welches im Labor auf eine simulierte 30-jährige Tragedauer getestet worden ist2. Obwohl Labor-Tests nicht das gleiche sind wie klinische Performance, zeigt der Test eine deutliche Verschleißminderung im Vergleich zu herkömmlichen Technologien.

WM: Ein weiterer Kernbereich von Smith & Nephew ist die Traumatologie, innerhalb der Sie ein umfangreiches Portfolio für die interne und externe Fixation anbieten. Welche Behandlungsmöglichkeiten decken Ihre Produkte ab?

Smith & Nephew: Wir bieten ein umfangreiches Portfolio für die interne und externe Fixation, wie z. B. mit unseren Produkten TRIGEN* INTERTAN* und TAYLOR SPATIAL FRAME*. Unser Nagel- und Plattensystem ermöglicht die Versorgung der unteren und oberen Extremität. Unsere Fixateursysteme bieten Möglichkeiten der akuten Frakturversorgung bis hin zur Korrektur von komplizierten Deformitäten. Mit dem innovativen TRIGEN* SURESHOT* distalen Verriegelungssystem ist die Freihandtechnik bei Marknagelosteosynthesen Vergangenheit.

WM: Einen speziellen Behandlungsansatz bietet die Unterdruck-Wundtherapie, in dem Ihr Haus ebenfalls eine Expertise hat. Für welches Einsatzspektrum sehen Sie diese Therapie als geeignet an – speziell auch im Hinblick auf die Einsatzmöglichkeiten in der Bundeswehr?

Smith & Nephew: Smith & Nephew hat eine lange und stolze Geschichte bei der Unterstützung des Militärs, einschließlich einer kürzlich stattgefundenen Zusammenarbeit mit der britischen Armee, bei der RENASYS* Unterdruck-Wund­therapie-Systeme zur Verfü­gung gestellt worden sind, um verwundete britische Soldaten in Afghanistan und zurück in Großbritan­nien zu behandeln. Die Evakuierung vom Kriegsschauplatz in den Operationssaal geht heutzutage viel schneller, so dass Patienten extrem traumatische Wunden überleben. Systeme wie ­RENASYS helfen bei der Versorgung dieser komplexen und traumatischen Wunden. Unsere Erfahrung durch die Zusammenarbeit mit der Armee hat maßgeblich zur Entwicklung unserer Produkte beigetragen.

WM: Die Entwicklung der modernen Wundversorgung für eine effiziente Wundheilung macht nach wie vor große Fortschritte. Behandlungsmethoden und zum Beispiel Wundauflagen, die man früher verwendet hat, werden mehr und mehr durch neue ersetzt. Wie ist Smith & Nephew hier aufgestellt?

Smith & Nephew: Smith & Nephew hat in den letzten Jahren innovative neue Produkte auf dem Markt gebracht wie unsere ALLEVYN* Produktfamilie. Ein feuchtes, warmes Wundmilieu bietet im Allgemeinen die besten Voraussetzungen für eine rasche und problemlose Wundheilung. Die Stoffe für den Zellaufbau können unter diesen Bedingungen schnell in die Wunde gelangen und Zellaufbau und -migration werden begünstigt. Moderne Wundverbände fördern die Bildung dieses feuchten, warmen Milieus, das den optimalen Ablauf der Phasen der Wundheilung sichert.

WM: Neben all diesen Expertisen ist Smith & Nephew weltweit führender Hersteller in der arthroskopischen bzw. minimal invasiven Gelenkchirurgie. Wie kam es dazu?

Smith & Nephew: Unser Geschäftsbereich der Sportmedizin bietet Chirurgen eine breite Palette an Instrumenten, Technologien und Implantaten, die notwendig sind, um minimal-invasive Eingriffe an den Gelenken, einschließlich der Reparatur von Weichteil-Verletzungen und degenerativen Erkrankungen an Knie, Hüfte und Schulter, durchzuführen.

Der Erfolg unseres Bereiches basiert auf den innovativen und zuverlässigen Produkten sowie unserer langen Tradition. Zudem setzten wir auf die Aus- und Weiterbildung des medizinischen Nachwuchses, um stets neue Ideen zu entwickeln.

Im vergangenen Jahr hat Smith & Nephew mit dem Kauf von ArthroCare zudem die größte Akquise in der Geschichte von Smith & Nephew getätigt. Dadurch wird der Bereich Sportmedizin weiter ausgebaut und unser bereits bestehendes, breites Portfolio mit Produkten, wie z. B. FAST-FIX* 360, einem Instrument zur All-inside Meniskusrefixation, oder ULTRABRAID* zur Rotatorenmanschetten-Refixation, um weitere wichtige Produkte, wie z. B. COBLATION* zur Niedertemperatur-Plasmaexzision, erweitert.

WM: Smith & Nephew ist bereits ein zuverlässiger Partner der Bundeswehr. Wo liegen die Wurzeln Ihrer Zusammenarbeit und wie erleben Sie diese heute?

Smith & Nephew: Die Wurzeln der Zusammenarbeit liegen, wie eingangs erwähnt, im ersten Weltkrieg – Smith & Nephew wurde von einer Reihe von Streitkräften für die Erstversorgung von Wunden auf dem Schlachtfeld genutzt. Jeder Soldat erhielt eine Packung mit zwei separaten Wundverbänden, die insbesondere für die Versorgung von Schussverletzung ausgelegt war. Heutzutage liegt der Schwerpunkt der Zusammenarbeit mit der Bundeswehr auf der Orthopädie / Endoprothetik sowie der Wundversorgung. Die Bereiche Sportmedizin und Traumatologie sind im Aufbau.

WM: Sie sind in der Bundeswehr mit verschiedenen Produkten vertreten. In welchen Bereichen bedienen Sie das medizinische Personal?

Smith & Nephew: Wir beliefern die Bundeswehr im Bereich Unterdruck-Wundtherapie, aber auch unsere Sparten Orthopädie und Sportmedizin sind an den Standorten der Bundeswehr mit einem umfangreichen Produktmix vertreten. Darüber hinaus sind wir im Bereich Wundversorgung als Lieferant aktiv.

WM: Inwieweit unterscheiden sich die Anforderungen an die Bedürfnisse der Bundeswehr im Vergleich zum zivilen Markt?

Smith & Nephew: Im Vergleich zum zivilen Sektor erfordert das Einsatzspektrum der Bundeswehr ein hohes Maß an Mobilität und Flexibilität, sowohl bei der Produktgestaltung, als auch bei der Logistik. In beiden Bereichen sehen wir unser Unternehmen sehr gut positioniert. Für die individuellen Wünsche und Bedürfnisse des Einsatzpersonals der Bundeswehr und ihre spezifischen Anforderungen haben wir die jeweiligen Produkte in unserem Portfolio.

WM: Welche speziellen Angebote liefern Sie für diese individuellen Anforderungen?

Smith & Nephew: Mit unseren mobilen Systemen in der Unterdruck-Wundtherapie, ­RENASYS* GO und PICO*, sind wir in der Lage, Patienten in allen Einsatzlagen eine qualitativ hochwertige Versorgung anzubieten, die einer stationären Therapie in keiner Weise nachsteht. Darüber hinaus sind wir in diesem Produktbereich in der Lage, durch unser Logistikkonzept Notfallbelieferungen an 365 Tgen im Jahr 24 Stunden täglich sicherzustellen.

WM: Wie gewährleisten Sie die vertrauensvolle und zuverlässige Zusammenarbeit mit diesem Partner auch in Zukunft?

Smith & Nephew: Für jedes Bundeswehrkrankenhaus wird es einen zentralen Ansprechpartner geben, um einen herausragenden Service und Support zu bieten. Dabei stehen die Aspekte Gesundheitsökonomie und Serviceleistung im Vordergrund, nicht der Verkauf. Zudem unterstützt seit diesem Jahr ein spezielles Team aus Key Account Managern die Mitarbeiter gezielt bei zentralen Fragestellungen, die den Gesamtbereich der Bundeswehr betreffen.

WM: Bieten Sie auch Service-Angebote außerhalb des thematisierten Produktportfolios?

Smith & Nephew: Mit unserer Abteilung Marketing Excellence bieten wir neben gesundheitsökonomischen Beratungsleistungen auch Unterstützung im Bereich Logistik und des Warenstrommanagements. Dabei orientieren wir uns an der Prozesskette unserer Kunden und helfen hier, Optimierungsmöglichkeiten prozessbezogen umzusetzen.

WM: Welches Ziel verfolgen Sie mit diesem breiten Service-Angebot?

Smith & Nephew: Seit mehreren Jahren beobachten nicht nur wir, dass sich im Gesundheitswesen ein zunehmend schwieriges Verhältnis zwischen innovativer und hochwertiger Versorgung einerseits und andererseits der Anforderung, Kosten einzusparen, entwickelt. Mit unseren zusätzlichen Mehrwertangeboten rund um unsere Produkte möchten wir dem Rechnung tragen und unseren Kunden effektive Möglichkeiten aufzeigen, hochwertige Produkte, überlegene Behandlungsergebnisse und geforderte Einsparungen miteinander in Einklang zu bringen. Als Partner der Bundeswehr wollen wir maßgeschneiderte Lösungen erarbeiten, die deren Bedürfnisse möglichst vollständig abdecken. Daher bieten wir ein individuell abgestimmtes Konzept zur strategischen Ausrichtung begleitet durch ein langfristiges Projektmanagement vor Ort. Mögliche Fragestellungen können aus dem Bereich Prozessoptimierung, Logistik, Erschließung neuer Leistungsfelder und Abrechnungsmöglichkeiten sowie Erarbeitung von optimierten Behandlungspfaden mit idealem Produkteinsatz sein. Durch die ganzheitliche Betreuung wollen wir den Erfolg einer langfristigen Partnerschaft, von der beide Seite profitieren, sicherstellen.

WM: Wie gewährleisten Sie die reibungslose Arbeits- und Funktionsweise Ihrer Produkte in Hinblick auf die Anwender sowie Ihr eigenes Personal? Gibt es hierzu ein entsprechendes Aus- und Fortbildungskonzept?

Smith & Nephew: Unser Unternehmen legt von jeher sehr großen Wert auf die Aus- und Weiterbildung. In allen Sparten gibt es dafür spezielle Teams, unsere Produktspezialisten, die unseren Kunden in allen Fachfragen zur richtigen Anwendung unserer Produkte zur Verfügung stehen. Darüber hinaus bietet unser Unternehmen den Kunden die Möglichkeit, an unseren Professional Education Fortbildungen teilzunehmen oder an Workshops, die kundenindividuell gestaltet werden.

Des Weiteren bestehen mit vielen Kliniken in Deutschland in den verschiedensten Indikationsgebieten Kooperationsvereinbarungen. Dies erlaubt es uns, unseren Kunden die Möglichkeit zu Hospitationen im Rahmen ihrer klinischen Tätigkeit einzuräumen und sich so kontinuierlich weiterzubilden.

WM: Auf welchen Veranstaltungen innerhalb der Bundeswehr ist Smith & Nephew präsent?

Smith & Nephew: Wir präsentieren unsere Produkte regelmäßig auf den Veranstaltungen der DGWMP, etwa auf dem einmal jährlich stattfindenden Jahreskongress. Zudem sind wir auch auf dem Archis-Kongress in Hamburg präsent. Darüber hinaus nehmen wir am Beschaffungskongress des Sanitätsdienstes teil.

WM: Wo sehen Sie die zukünftigen Herausforderungen im deutschen Gesundheitsmarkt?

Smith & Nephew: Es wird aus unserer Sicht weitere Konzentrationsprozesse sowohl auf Anbieter- als auch auf Nachfragerseite geben. Allen gemeinsam stellen Politik und der Markt große Herausforderungen im Kosten- und Erlösbereich. Der demographische Wandel mit einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung stellt in diesem Zusammenhang eine ganz besondere Herausforderung dar, der sich alle Marktteilnehmer stellen müssen. Smith & Nephew ist diesbezüglich gut aufgestellt, um das Versprechen an die Kunden, ihnen unterstützend zur Seite zu stehen, einzuhalten.

WM: Wir danken Ihnen für diesen interessanten Einblick in Ihr Unternehmen und wünschen Ihnen – speziell für die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr – alles Gute!

*Trademark of Smith & Nephew

Referenzen:
1 Australian Orthopaedic Association National Joint Replacement Registry Annual Report. Adelaide: AOA: 2013.
2 ASTM F2384.19404-1 and ASTM F75.17485-1.

Datum: 23.12.2015

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2015/4