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Bundeswehrkrankenhäuser im zivilen Wettbewerb

Das Bundeswehrkrankenhaus Berlin als Krankenhaus in einer Metropolregion

Das Bundeswehrkrankenhaus Berlin ist die größte militärische Behandlungseinrichtung im nordostdeutschen Raum und steht mit 15 Fachabteilungen (davon drei Sektionen) und 367 Betten sowohl Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr als auch zivilen Patientinnen und Patienten zur medizinischen Versorgung zur Verfügung. Als akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Charité gewährleistet das Bundeswehrkrankenhaus Berlin einen hochwertigen Ausbildungsstand des medizinischen Personals und beteiligt sich aktiv an der wissenschaftlichen Diskussion.

Weit über 10 000 Patientinnen und Patienten werden jährlich stationär versorgt. Als Krankenhaus der Notfallversorgung liegt das Bundeswehrkrankenhaus Berlin mitten im Zentrum der Metropolregion Berlin. Durch diesen zentralen Standort entstehen vielfältige Chancen, aber auch Herausforderungen in der Erfüllung des Auftrages eines Bundeswehrkrankenhauses. Der folgende Beitrag beleuchtet die Besonderheiten des Bundeswehrkrankenhauses Berlin in der Auftragserfüllung unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen der Gesundheitsstadt und Metropolregion Berlin sowie beeinflussender militärischer und ziviler Rahmenbedingungen in der Gesundheitsversorgung. Photo Abb. 1: Lage des Bundeswehrkrankenhauses im Zentrum Berlins.

25 Jahre Bundeswehrkrankenhaus Berlin – aus der Tradition gewachsen zu einem modernen und innovativen Metropolkrankenhaus

Das Bundeswehrkrankenhaus Berlin im Bezirk Mitte ist das jüngste der fünf Krankenhäuser der Bundeswehr. Dennoch kann es auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. Seit 25 Jahren werden im Bundeswehrkrankenhaus Berlin Patientinnen und Patienten umfassend und nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen versorgt. Grundlage ist dabei stets die militärische Auftragserfüllung, die u. a. die Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie Inübunghaltung von Sanitätspersonal und die Unterstützung der Einsätze der Bundeswehr mit ausgebildetem und in Übung gehaltenem medizinischem Fachpersonal umfasst.

Die Geschichte des Bundeswehrkrankenhauses Berlin reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1841 von König Friedrich-Wilhelm IV in Auftrag gegeben, nahm am 23. August 1853 das Garnisonslazarett seinen Betrieb auf. Nach über 100 Jahren wechselhafter Geschichte durch Kaiserreich, Ersten Weltkrieg, Weimarer Republik und Zweiten Weltkrieg wurde das Krankenhaus von 1960 bis 1990 als Krankenhaus der Volkspolizei der DDR betrieben. Im Anschluss an eine kurze Phase im Status als Lazarett Berlin-Mitte der Nationalen Volksarmee ging das Krankenhaus zum 3. Oktober 1990 in die Zuständigkeit der Bundeswehr über. Ab dem 1. Januar 1991 lautete der offizielle Name des ehemaligen Garnisionslazarettes „Bundeswehrkrankenhaus Berlin“.

Die Lage im Herzen der Hauptstadt – mittendrin statt nur dabei

Das Bundeswehrkrankenhaus Berlin wird bei seiner zentralen Lage in Berlin-Mitte von verschiedenen militärischen Einrichtungen der Bundeswehr umgeben. Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr hat das Bundesministerium der Verteidigung die Stationierung der Bundeswehr in Deutschland im Oktober 2011 neu festgelegt. Im Großraum Berlin werden ca. 5 000 Dienstposten ausgebracht. In dem unmittelbar an Berlin angrenzendem Bundesland Brandenburg kommen nochmals ca. 7 400 Dienstposten hinzu. Zusammen fallen somit über 12 000 Dienstposten in den unmittelbaren Einzugsbereich des Bundeswehrkrankenhauses Berlin, darunter große Einrichtungen wie das Bundesministerium der Verteidigung, 2. Dienstsitz Berlin, das Kommando Luftwaffe in Berlin-Gatow, das Kommando Heer in Strausberg (Brandenburg), das Lazarettregiment 31 Berlin in Berlin-Kladow sowie die Julius-Leber-Kaserne in Berlin-Tegel. Im Sinne der militärischen Auftragserfüllung steht das Bundeswehrkrankenhaus Berlin als zentrale Einrichtung zur medizinischen Behandlung und Begutachtung den Soldatinnen und Soldaten ganzjährig zur Verfügung (Abb. 1 + 2).

Besonderes Potenzial für die Patientenversorgung im Bundeswehrkrankenhaus hat die unmittelbare räumliche Nachbarschaft zur neuen BND-Zentrale mit ca. 4 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie die Stadtentwicklungsplanung, welche den Neubau eines neuen Wohn- und Geschäftsgebietes (sog. „Eurocity“) in Berlin-Mitte für ca. 12 000 Personen in den kommenden Jahren vorsieht. Bedeutsam ist zudem die räumliche Nähe zu Europas größtem Universitätsklinikum, der Charité, sowie die kurze Distanz zum Regierungsviertel.

Die Gesundheitsstadt und Metropolregion Berlin

Photo Abb. 2: Anzahl Dienstposten in Berlin gemäß Stationierungskonzept. Berlin: Die Bundeshauptstadt und Metropole mit einer Gesamteinwohnerzahl von ca. 3,51 Mio. Einwohnern im Herzen Europas übt zweifelsohne einen besonderen Reiz sowohl auf ihre Einwohner als auch auf eine stetig wachsende Anzahl an nationalen und auch internationalen Besuchern aus. Dies wird in den steigenden Einwohnerzahlen aber auch stetig wachsenden Besucherzahlen mehr als deutlich. Der Senat von Berlin prognostiziert in der Gestaltung des Krankenhausplans 2016 im Zeitraum 2012 bis 2030 ein Bevölkerungszuwachs von rund 254 000 Einwohnern. Dies entspricht einem Zuwachs der Berliner Bevölkerung um 7,2 Prozent. Bis zum Jahr 2020 sollen gemäß der Prognose dabei bereits 70 Prozent des insgesamt zum Jahr 2030 erwarteten Bevölkerungswachstums erreicht sein.

Nach 20 Jahren eines notwendigen Bettenabbaus und eines erstmals mit dem Krankenhausplan 2010 eingeleiteten moderaten Kapazitätszuwachses um ca. 250 Planbetten steht mit dem neuen Krankenhausplan 2016 – bedingt durch die demografische Entwicklung, die in Berlin nicht nur durch die Alterung sondern auch durch eine Zunahme der Einwohnerzahl geprägt ist – eine deutliche Erweiterung der Krankenhauskapazitäten an. Auf Grundlage einer ersten Grobeinschätzung wird überlegt, die Soll-Bettenzahl gemäß Krankenhausplan voraussichtlich um ca. 1 500 im Land Berlin anzuheben.

Im Jahr 2012 wurden im Land Berlin 782 745 Patienten vollstationär sowie 27 956 Patienten teilstationär durch die Berliner Krankenhäuser versorgt. Die 81 Krankenhäuser verfügen über eine Gesamtkapazität von 20 133 Betten. Allein im Zentrum Berlins finden sich neben dem Bundeswehrkrankenhaus 14 weitere Krankenhäuser zur Versorgung von ca. 342 000 Einwohnern. Zudem fanden im Jahr 2012 Berlin rd. 250 000 vor- und nachstationäre Behandlungen und rd. 70 000 ambulante Operationen (nach § 115b SGB V) statt. Von 2 000 bis 2012 stiegen die Fallzahlen der stationär versorgten Patienten um mehr als 12 % an. Die Verweildauer wurde von 10,2 im Jahr 2000 auf 7,7 Tage im Jahresdurchschnitt 2012 gesenkt. Neben der stationären Versorgung wurden im Jahr 2012 über 1 Mio. Erste-Hilfe-Behandlungen in den Berliner Krankenhäusern durchgeführt.

Von dieser Entwicklung konnte auch das Bundeswehrkrankenhaus profitieren. Betrug die Anzahl aller stationär behandelten Patientinnen und Patienten zum Zeitpunkt der Einführung der Fallpauschalensystems (DRG) im Jahr 2004 noch rund 8 000 (davon 4 338 zivile Patienten = ca. 54 %), wuchs die Zahl bis zum Jahr 2014 auf nunmehr 10 835 stationäre Behandlungsfälle an. Davon kamen mit 8 276 Patientinnen und Patienten über 76 % aus dem zivilen Bereich. Im Bereich der Erste-Hilfe-Behandlungen stieg die Anzahl der primär ambulant behandelten Fälle von 6 180 im Jahr 2004 auf 20 331 Fälle im Jahr 2014 um mehr als das Dreifache. Mit der Inbetriebnahme der neuen Notfallaufnahme mit einer deutlich optimierten Infrastruktur wird nach ersten Einschätzungen die Anzahl der Erste-Hilfe-Behandlungen auf ca. 25 000 im laufenden Jahr 2015 wachsen. Der Notfallaufnahme kommt mit diesen Behandlungsfällen ein äußerst bedeutsamer Stellenwert auch für die stationären Aufnahmen zu, da ca. 25 % der primären Erste-Hilfe-Behandlungen in einen stationären Aufenthalt im Bundeswehrkrankenhaus münden.

Das Leistungsangebot – Multidisziplinari­tät als Grundlage der militärischen Auftragserfüllung und als ziviler ­Wettbewerbsvorteil zugleich

Die zentrale Lage des Bundeswehrkrankenhauses in Berlin ist ein wichtiger Standortvorteil, zeitgleich aber auch Verpflichtung. Das Bundeswehrkrankenhaus Berlin wird zunehmend in Anspruch genommen, um aktuellen Entwicklungen und dem zunehmenden Bedarf an medizinischer Versorgung – seien es Einwohner oder auch Besucher bzw. Touristen – in Berlin zu entsprechen. Eine besonders herausgehobene Bedeutung fällt dabei dem Rettungsdienst zu. Das Bundeswehrkrankenhaus Berlin ist fester Bestandteil des Rettungsdienstes in Berlin und beteiligt sich aktiv an der Notfallversorgung der Berliner Bevölkerung. Im Zuge der Neustrukturierung der Bundeswehrkrankenhäuser in den letzten Jahren wurde der Schwerpunkt Notfallmedizin und Rettungsdienst mit einem Notarzt­einsatzfahrzeug und drei Rettungswagen, die 24 Stunden im Einsatz sind, weiter ausgebaut. Mit der im April erfolgten Inbetriebnahme der neuen zentralen Notfallaufnahme sowie weiteren umfangreichen Baumaßnahmen bei laufendem Krankenhausbetrieb wird momentan in die Zukunftsfähigkeit des Hauses investiert, so dass neben dem hohen professionellen Ausbildungsstand der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der sehr modernen Medizintechnik auch künftig der hohe Anspruch an eine patientenorientierte Versorgung in der Metropolregion und Gesundheitsstadt Berlin sichergestellt werden kann. Nur hierdurch kann der bisherige Erfolg des Bundeswehrkrankenhauses am Standort Berlin-Mitte fortgeführt werden. Photo bb. Abb. 3: Bundeswehrkrankenhaus Berlin der Zukunft.

Die fachliche Multidisziplinarität des Bundeswehrkrankenhauses Berlin stellt bei der ausgeprägten Krankenhausdichte einen großen Wettbewerbsvorteil dar. An den Erfordernissen des militärischen Auftrages orientiert und historisch gewachsen, erweist sich die bestehende medizinische Angebotsstruktur des Bundeswehrkrankenhauses moderner und patientenorientierter denn je. Das breit angelegte Versorgungsspektrum sowie die Befähigung zu der multidisziplinären medizinischen Behandlung in den ausgebrachten Abteilungen sind wertvolle Stärken des Bundeswehrkrankenhauses. Hierdurch wird ermöglicht, sowohl dem militärischen als auch zivilem Patientenbedarf fast vollumfänglich gerecht zu werden. Der Gesundheitsstandort Berlin zieht Patientinnen und Patienten mit schweren Krankheitsbildern an. Das Bundeswehrkrankenhaus Berlin hat in den vergangenen Jahren wiederholt, insbesondere auch im Jahr 2014, die Versorgung von Schwerverletzten aus aktuellen Kriegs- und Krisengebieten gewährleistet. Die Angebotsstruktur in Form des breiten Spektrums an Fachabteilungen sollte als standorterhaltendes Grundprinzip zwingend bewahrt bleiben, auch, um bestehende Kooperationen und gewachsene Strukturen in der Zusammenarbeit mit anderen Berliner Kliniken zu stärken. Beispielhaft sei hier die enge Vernetzung durch die Kooperation mit zehn weiteren Berliner Kliniken im Rahmen des Traumanetzwerkes Berlin genannt. Das Bundeswehrkrankenhaus wird seit dem Jahr 2012 als zertifiziertes regionales Traumazentrum geführt. Das regionale Traumazentrum am Bundeswehrkrankenhaus Berlin erfüllt dabei alle geforderten Voraussetzungen zur Schwerverletztenversorgung. Die besondere Leistungsfähigkeit entsteht nicht durch die Leistung einer einzelnen Abteilung, sondern durch die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit in einem hochspezialisierten Team aus Ärzten, Pflegekräften und medizinisch technischen Assistenten der verschiedenen Fachdisziplinen, die für die umfassende Behandlung schwerverletzter Patienten notwendig ist.

In Ergänzung zu der Behandlung organischer Krankheitsbilder kommt der Abteilung VI b für Psychiatrie und Psychotherapie mit der Behandlung psychiatrischer Krankheitsbilder besondere Bedeutung zu. Infolge der zunehmenden psycho-physischen Belastung von Soldatinnen und Soldaten durch die Auslandseinsätze der Bundeswehr wurde in der Abteilung IV b das Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie/ Psychotraumazentrum gegründet. Als Forschungs- und Behandlungszentrum stellt es einen wichtigen Baustein im Gesamtkonzept zur Prävention und Behandlung u. a. der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) dar. An der Nahtstelle zwischen Forschung und Praxis ermöglicht es wissenschaftliche Grundlagenarbeit und Erfahrungstransfer einerseits und die intensive klinische Behandlung traumatisierter Patienten andererseits. Die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie hat sich mit ihrem Versorgungsauftrag im Berliner Krankenhausplan aber auch zur stationären Behandlung ziviler Patienten in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung fest etabliert. Neben Soldatinnen und Soldaten werden auch Feuerwehr- und Polizeibeamte sowie zivile Patientinnen und Patienten versorgt. Durch die spezifische fachliche Expertise in der Psychotraumatherapie ist das Bundeswehrkrankenhaus mit einem weiteren wichtigen fachlichen Schwerpunkt in das Berliner Versorgungsangebot eingebunden.

Hohe Zufriedenheit und Akzeptanz des Bundeswehrkrankenhauses bei Patienten

Die steigenden Behandlungsfälle sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich sind ausdrücklich auch Ergebnis der herausragenden Leistungen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundeswehrkrankenhauses. Ohne die ausgeprägte Bereitschaft der Angehörigen des Bundeswehrkrankenhauses, sich den wachsenden Aufgaben und Anforderungen in der Patientenversorgung zu stellen, wären die positiven Entwicklungen sowohl des Versorgungsumfangs als auch der stetig steigenden Qualität der Versorgung nicht darstellbar. Dabei ist die Qualität der Versorgung nachweisbar gut und führt zu einer hohen Zufriedenheit der behandelten Patientinnen und Patienten, wie externe Umfrageergebnisse, u. a. von Krankenkassen, wiederholt zeigen. Diese Bewertungen tragen maßgeblich zur weiteren Akzeptanz des Bundeswehrkrankenhauses unter den Berliner Kliniken bei und dienen dem Bundeswehrkrankenhaus als Wettbewerbsvorteil.

Attraktivität für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundeswehrkrankenhauses bietet Berlin als Metropole und auch als militärischer Standort ein attraktives Umfeld. Dieser Standortvorteil kann für das Bundeswehrkrankenhaus im Rahmen militärischer und auch ziviler Stellenbesetzungen genutzt werden. Durch umfangreiche Umbaumaßnahmen wird derzeit die Infrastruktur des Bundeswehrkrankenhauses in den Bereichen der Patientenversorgung und auch in Dienstleistungsbereichen, wie z. B. dem neuen Küchengebäude, optimiert. Eine moderne und zeitgerechte Infrastruktur ist im Berliner Krankenhausmarkt ein wichtiger Wettbewerbsfaktor, welcher allen Beteiligten, den zu behandelnden Soldatinnen und Soldaten, zivilen Patientinnen und Patienten, aber natürlich auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zugutekommt. Der Neubau einer Kindertagesstätte ist eine seit vielen Jahren vorgesehene Maßnahme, die nunmehr zeitnah umgesetzt wird. Hierdurch kann das Bundeswehrkrankenhaus eine nachhaltige Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeberstätte erlangen (Abb. 3).

Qualitätspolitik – Qualität als Aspekt der Leistungsfähigkeit

Nach den gesetzlichen Vorschriften des Sozialgesetzbuches V § 137 müssen Einrichtungen im Gesundheitswesen einen Nachweis über ein internes Qualitätsmanagement erbringen. Anhand der aktuellen Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die grundsätzlichen Anforderungen an ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement für Krankenhäuser (Qualitätsmanagement-Richtlinie Krankenhäuser - KQM-RL) aus dem Jahr 2014 wurden die Anforderungen insbesondere auch im Hinblick auf die Bereiche Risikomanagement sowie Patientensicherheit konkretisiert. Diesem Anspruch hat sich das Bundeswehrkrankenhaus in der Metropolregion Berlin besonders aufmerksam und nachhaltig zu stellen, da ein Schwerpunkt des neuen Berliner Krankenhausplans auch die Sicherung einer guten Versorgungsqualität ist.

Qualität der medizinischen Versorgung als strategisches Marketinginstrument

Der Qualitätsanspruch im Bundeswehrkrankenhaus Berlin ist seit vielen Jahren nachweislich hoch. Bereits im Jahr 2000 wurde ein Qualitätsmanagementsystem implementiert, das die Qualität der Patientenbetreuung sowie die krankenhausinternen Abläufe überwacht und steuert. 2001 wurde dieses System erstmals nach externer Überprüfung zertifiziert und bis heute durch kontinuierliche Rezertifizierung nach den Richtlinien der Kooperation für Transparenz und Qualität (KTQ®) im Gesundheitswesen mehrfach bestätigt – aktuell sehr erfolgreich im Januar 2015.

In Ergänzung zu der Gesamtzertifizierung des Krankenhauses sind weitere Bereiche zusätzlich zertifiziert bzw. akkreditiert. Beispielhaft werden an dieser Stelle die Sektion für Laboratoriumsmedizin, die Notfallaufnahme incl. aller vier Rettungswachen sowie die Apotheke genannt. Darüber hinaus wurde wie oben ausgeführt das Bundeswehrkrankenhaus Berlin als Regionales Traumazentrum im TraumaNetzwerk DGU® anerkannt. Das „Wundzentrum Dermatologie und Gefäßchirurgie der Initiative Chronische Wunden e. V.“ stellt momentan das einzige Wundzentrum innerhalb des Sanitätsdienstes dar. Die Gefäß- chirurgie ist als stationäre Fußbehandlungseinrichtung der Deutschen Diabetes Gesellschaft anerkannt. Jüngstes Beispiel für die nachhaltigen Weiterentwicklungen der Abteilungen im Bereich des Qualitätsmanagements ist die Anerkennung der Abteilung für Allgemein-, Visceral- und Thoraxchirurgie als Kompetenz- und Referenzzentrum für Hernienchirurgie.

Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Patientensicherheit hat sich das Bundeswehrkrankenhaus Berlin freiwillig dem Berichtssystem für kritische Ereignisse „CIRS Berlin (Critical Incident Reporting System)“ und der „Initiative Qualitätsmedizin (IQM®)“ angeschlossen.

Aus Sicht des Bundeswehrkrankenhauses Berlin ist es gerade auf Grund der Metropol- und somit Konkurrenzsituation mit andern zivilen Krankenhäusern eine strategisch bedeutsame Aufgabe, die Qualität und Sicherheit der Krankenversorgung kontinuierlich zu steigern und hierüber ein hohes Maß an Transparenz zu schaffen. Zielgruppen dieser Transparenz sind dabei in erster Linie die Patientinnen und Patienten sowohl aus dem militärischen als auch aus dem zivilen Bereich. Darüber hinaus aber auch die einweisenden, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, andere Berliner Krankenhäuser, Einrichtungen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen sowie natürlich auch die Krankenkassen bzw. Kostenträger einschließlich des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Durch die Transparenz in der Qualität der Versorgung kann sich das Bundeswehrkrankenhaus in dem Gesamtmarkt der Krankenhäuser Berlins weiter etablieren und seinen Versorgungsauftrag im Land Berlin sichern.

Strategie und Weiterentwicklung

Das 25-jährige Bestehen des Bundeswehrkrankenhauses ist nicht nur ein besonderer Anlass, um einen Blick auf Vergangenes und Erreichtes zurück zu werfen und eine aktuelle Bestandsaufnahme zu erheben. Vielmehr dient das Jubiläum auch dazu, Konzeptionen für die Zukunft des Krankenhauses in seiner militärischen Auftragserfüllung und seiner Positionierung in der Gesundheitsstadt Berlin zu erarbeiten. Die Weiterentwicklung des Bundeswehrkrankenhauses Berlin erfolgt dabei innerhalb des Systemverbundes aller Bundeswehrkrankenhäuser und im Rahmen der Planungen des Kommandos Sanitätsdienst der Bundeswehr zur Zielstruktur 2020. Nur hierdurch kann eine nachhaltige Auftragserfüllung und eine weiterhin erfolgreiche Integration in das zivile Gesundheitssystem am Standort Berlin gewährleistet werden. Grundsätzlich sollten bei allen Überlegungen zur Zukunftsgestaltung und Zukunftssicherung des Bundeswehrkrankenhauses die sich bietenden Chancen durch den Standortvorteil im Herzen der Metropole Berlin berücksichtigt und im Sinne aller Beteiligten weiter genutzt werden. Eine Besonderheit stellt dabei auch die besonderen Lage und räumliche Nähe zu wichtigen Einrichtungen der Bundesregierung dar.

Zusammenfassende Bewertung

Das Bundeswehrkrankenhaus Berlin hat sich in den vergangenen 25 Jahren Zugehörigkeit zum Sanitätsdienst der Bundeswehr als ein leistungsstarkes Krankenhaus im Herzen der Metropole Berlin fest etabliert. Das betrifft insbesondere die militärische Auftragserfüllung, die u. a. die Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie Inübunghaltung von Sanitätspersonal und die Unterstützung der Einsätze der Bundeswehr mit ausgebildetem und in Übung gehaltenem medizinischem Fachpersonal umfasst. Auch die ambulante und stationäre fachärztliche Versorgung von Soldatinnen und Soldaten wird umfassend gewährleistet. Darüber hinaus steht das Bundeswehrkrankenhaus mit einem Versorgungsauftrag im Land Berlin in der Verantwortung, für zivile Patientinnen und Patienten eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung sicherzustellen. Die bestehenden Abteilungsstrukturen und die Multidisziplinarität im Versorgungsangebot sind ein bedeutender strategischer Vorteil im Gesundheitsmarkt der Hauptstadt. Die medizinische Angebotsvielfalt dient insbesondere den Soldatinnen und Soldaten aber auch den zivilen Patientinnen und Patienten. Die Qualität der Versorgung ist dabei gerade in der Metropolregion Berlin mit einem wachsenden regionalen Gesundheitsmarkt und einer konkurrierenden Angebotsstruktur Gegenstand der Gesundheitspolitik und wird als Grundlage für die zukünftige Teilnahme am Versorgungsauftrag an Bedeutung gewinnen. Durch die seit vielen Jahren eingeleiteten Qualitäts- und auch Zertifizierungsmaßnahmen am Bundeswehrkrankenhaus Berlin kann der Nachweis über eine gute Versorgungsqualität nachhaltig erbracht werden. Eingeleitete Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur dienen einer weiteren Steigerung der Attraktivität und Leistungsfähigkeit des Bundeswehrkrankenhauses Berlin, um auch in Zukunft dem Anspruch an eine moderne und patientenorientierte Versorgung gerecht zu werden. Hierdurch sind wesentliche Schritte eingeleitet worden, um auch in Zukunft das Bundeswehrkrankenhaus Berlin einerseits in seiner militärischen Auftragserfüllung zu stärken und andererseits die Voraussetzungen für die Erbringung des zivilen Versorgungsauftrags in dem dynamischen Umfeld der Metropolregion Berlin nachkommen zu können.

Datum: 07.07.2015

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2015/2