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Bekämpfung der Ebola Epidemie in Westafrika

Eine Erfolgsstory bundeswehrgemeinsamer und ressortübergreifender Ausbildung

Vorwort

Von Anfang November 2014 bis März 2015 unterstützte das Deutsche Rote Kreuz gemeinsam mit der Bundeswehr den Humanitären Hilfseinsatz im Kampf gegen die Ebolaepidemie in Westafrika.

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr wurde dabei insbesondere mit seinen Fähigkeiten auf dem Gebiet der Tropenmedizin und Medical Intelligence gefordert.
Neben der Bereitstellung von Personal mit entsprechender Fachexpertise bedeutete der Einsatz auch die Vorbereitung und Ausbildung des teilnehmenden Personals vom Deutschen Roten Kreuz und der Bundeswehr.
Federführend für die Ausplanung und Durchführung der verschiedenen Ausbildungsanteile war das Kommando Streitkräftebasis, was Oberstleutnant i. G. Limmer als Referatsleiter in der Abteilung Ausbildung Streitkräfte im Kommando Streitkräftebasis im nachstehenden Beitrag als ein gelungenes Beispiel bundeswehr- und ressort­übergreifender Ausbildung darstellt.

Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz, der Organisation Ärzte ohne Grenzen e. V. und dem Sanitätsdienst der Bundeswehr konnte innerhalb kürzester Zeit die Ausbildung und Qualifizierung des in Westafrika eingesetzten Personals ermöglicht werden. Das ist ein Novum und verdient Beachtung. Qualität und Management der Ausbildung wurden dabei auch von den zivilen Partnern besonders gelobt.
Der Einsatz hat nachhaltig dazu beigetragen, das traditionell eher distanzierte Verhältnis zwischen zivilen Hilfsorganisationen und der Bundeswehr zu verbessern.

Oberstarzt Dr. Jörg Ruff
Generalarzt Streitkräftebasis

Mit dem Tagesbefehl der Bundesministerin der Verteidigung vom 22. September 2014 wurden Angehörige der Bundeswehr aufgerufen, sich für einen Humanitären Hilfseinsatz bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Liberia freiwillig zu melden, um das Deutsche Rote Kreuz (DRK) beim Aufbau und dem Betrieb einer Ebola-Behandlungseinrichtung zu unterstützen.

Neben freiwilligem Personal aus allen Organisationsbereichen der Bundeswehr wurden auch Angehörige der Bundeswehr zu deren Unterstützung in Stabselementen und/oder in Verbindungsstäben in die Region befohlen. Ausgehend vom Tagesbefehl wurde für das zu entsendende Personal u. a. eine Intensivvorbereitung im Umgang mit der Ebola Krankheit und Ebola Infizierten angewiesen.

Beide Personengruppen wurden in der Folge mit Blick auf die jeweiligen Tätigkeiten vor Verlegung in das Einsatzland vorbereitet.

Die fachliche Federführung der Ausbildung lag hierzu, mit Ausnahme sanitätsspezifischer Ausbildungsanteile, beim Kommando Streitkräftebasis (KdoSKB). Zur weiteren Ausplanung und Durchführung der Ausbildung wurden die Organisationsbereiche der Bundeswehr dem KdoSKB auf Zusammenarbeit angewiesen. Auf dieser Grundlage wurde durch KdoSKB, Abteilung Ausbildung Streitkräfte am 8. Oktober 2014 die vorläufige Ausbildungsweisung für den Einsatz deutscher Kräfte zur Unterstützung der Bekämpfung von Ebola durch die Bundeswehr in Westafrika erlassen, die im Dezember 2014 auf Grundlage gemachter Erfahrungen fortgeschrieben und herausgegeben wurde.

Die Systematik der Ausbildung

Die Entsendung des Personals zur Unterstützung der Bekämpfung von Ebola in Westafrika durch die Bundeswehr erzeugte einen besonderen Ausbildungsbedarf:

Die Ausbildung unterteilte sich grundsätzlich in „Einsatzdienstposten unabhängige“ und „Einsatzdienstposten bezogene“ Ausbildungsanteile. Weiterhin erfolgte eine Unterscheidung mit Blick auf deren möglichen Auftrag (Sanitätspersonal in der Diagnostik/Therapie, Personal mit unmittelbarem Kontakt/im Umfeld zu Infizierten und Personal ohne geplanten Kontakt zu Infizierten). Durch diese Kategorisierungen wurde eine zielgerichtete Ausbildung sichergestellt.

Die Inhalte der Ausbildung

Die Inhalte der Ausbildung bestanden zum Einen in Einsatzdienstposten unabhängigen Ausbildungsanteilen. Diese ausschließlich theoretischen Anteile waren vom gesamten Personal zu durchlaufen und unterteilten sich beispielsweise in sanitätsfachliche Ausbildungsanteile, Länderkunde, Betreuung und Fürsorge.

Darüber hinaus wurden auch Einsatzdienstposten bezogene Ausbildungsanteile vermittelt. Deren Schwerpunkt und zugleich „Sperrfach“ war die Ausbildung in der Handhabung der persönlichen Schutzbekleidung (Personal Protective Equipment (PPE)).

Für das in Ebola Behandlungseinrichtungen eingesetzte Personal erfolgte zusätzlich unmittelbar nach dem Erreichen des Einsatzlandes ein „shadow training“[1] in einer durch die WHO akkreditierten Ebola Behandlungseinrichtung (Ebola Treatment Unit (ETU)).

Eine Lehrgangsvoraussetzung war die Teilnahme am Fernlernlehrgang Fernlernkurs „Ebola Virus Disease: Awareness and Precautions for Peacekeeping Personnel“ des Peace Operations Training Institute[2].

Die Ausbildung wurde zentralisiert und lehrgangsgebunden durchgeführt.

Die Durchführung der Ausbildung

Im Jahr 2014 wurden, aufbauend auf die durch das Kommando Streitkräftebasis erlassene Ausbildungsweisung, insgesamt vier Ausbildungsdurchgänge durchgeführt. Die Gesamtleitung lag beim Vereinte Nationen Ausbildungszentrum der Bundeswehr (VNAusbZentrBw) mit personeller Unterstützung von Personal aus insgesamt elf unterschiedlichen Dienststellen der Bundeswehr.

Mit Blick auf die räumliche Nähe zum Fachbereich Tropenmedizin des Bundeswehrkrankenhauses (BwKrhs) Hamburg, wurde die Ausbildung in 2014 an der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen durchgeführt. An den vier Durchgängen nahmen insgesamt 129 Teilnehmerinnen/Teilnehmer teil, von denen insgesamt 103 die Ausbildung erfolgreich absolvierten.

Mit Beginn des Jahres 2015 wurde die Ausbildung nach Auswertung der internen Lehrgangsevaluation weiterentwickelt.

Die künftige Ausbildung fand im Jahr 2015 in zwei Lehrgängen gemeinsam mit Teilnehmenden aus dem Bereich des DRK statt.

Die Durchführungsverantwortung des praktischen Ausbildungsanteils lag ausschließlich bei der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg und wurde vom dortigen Personal mit Unterstützung vom DRK sowie von Ärzten von der Organisation Ärzte ohne Grenzen e. V. durchgeführt.

Insgesamt wurden 181 Angehörige der Bundeswehr im Zeitraum vom 20. Oktober 2014 bis 27. Februar 2015 ausgebildet, davon waren 113 Freiwillige für einen Einsatz geeignet.

Bewertung der Ausbildung

Die aus dem Einsatz zurückgekehrten Bundeswehrangehörigen wurden während der Nach­sorge im Rahmen von Rückkehrergesprächen und durch eine standardisierte Befragung mit Blick auf die Zweckmäßigkeit der Ausbildung befragt.

Von den insgesamt 70 im Einsatz verwendeten Bundeswehrangehörigen[3] haben 56 an der Befragung teilgenommen. Dies entspricht einer repräsentativen Rücklaufquote von 80 %. Insgesamt fühlten sich 89 % aller Befragten für ihren humanitären Hilfseinsatz richtig ausgebildet. Dies stellt eine querschnittliche Bewertung über alle Themenbereiche der Einsatzvorbereitenden Ausbildung, aller Dienstgradgruppen und Funktions- und Aufgabenbereiche im Einsatz dar.

Zusammenfassung

Die Ausbildungsorganisation der Bundeswehr hat mit sehr kurzem Vorlauf eine zielgerichtete Qualifizierung von Bundeswehrpersonal zur Unterstützung der Bekämpfung von Ebola in Westafrika sichergestellt. In einer bundeswehrgemeinsamen und ressortübergreifenden Ausbildung wurden von Oktober 2014 bis Februar 2015 insgesamt 181 Angehörige der Bundeswehr qualifiziert. 89 % aller nach Rückkehr aus dem Einsatz Befragten fühlten sich für ihren humanitären Hilfseinsatz richtig ausgebildet. Durch die mit Blick auf die Durchführung der Ausbildung erfolgte eindeutige Festlegung von Zuständigkeiten, die Beauftragung von Dienststellen zur Erbringung von Ausbildungs- bzw. Unterstützungsleistungen, verbunden mit einer begleitenden ständigen Koordination in Ausbildungsfragen, insbesondere mit dem Deutschen Roten Kreuz, wurden wertvolle Erfahrungen für die Ausbildung künftiger ähnlich gelagerter Einsätze gesammelt.

Die im Rahmen der internen und externen Evaluation gewonnenen Erkenntnisse unterstreichen nachhaltig und belastbar den erzielten Ausbildungserfolg. Die für die Bundeswehr bislang einmalige enge Zusammenarbeit in Ausbildungsfragen sowohl mit dem Deutschen Roten Kreuz als auch und insbesondere mit Personal der Organisation Ärzte ohne Grenzen e. V. sind hierbei besonders positiv hervorzuheben.

Bei weiterem Interesse kann der vollständige Abschlussbericht über das Informationssystem Einsatzerfahrung Bundeswehr (InfoSysEEBw) abgerufen werden.


[1]1 (Engl. „shadowing“ oder „shadow training“: Shadowing is a type of on-the-job employee job training in which a new employee follows and observes a trained and experienced employee)

 

[2] Peace Operations Training Institute 1309 Jamestown Road, Suite 202 Williamsburg, VA 23185 USA
www.peaceopstraining.org, World Health Organiza­tion (WHO), 2014.

 

[3]  64 Freiwilliges Personal zuzüglich 6 in den Einsatz befohlenes Personal (BAT)

 

Datum: 04.12.2015

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2015/3