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Wir stellen auf, wir stellen vor

Sanitätsstaffel Einsatz für den deutschen Gefechtsverband der NATO Response Force

Das Sanitätszentrum Berlin, seit Januar 2015 das Sanitätsunterstützungszentrum Berlin, ist seit Anfang des Jahres 2014 Aufstellungstruppenteil für die Sanitätseinsatzstaffel NATO Response Force (NRF) 2015, die dem Deutschen Mechanisierten Gefechtsverband NRF 2015 zugeordnet ist.

Das Sanitätszentrum Berlin, seit Januar 2015 das Sanitätsunterstützungszentrum Berlin, ist seit Anfang des Jahres 2014 Aufstellungstruppenteil für die Sanitätseinsatzstaffel NATO Response Force (NRF) 2015, die dem Deutschen Mechanisierten Gefechtsverband NRF 2015 zugeordnet ist. PhotoAbb. 1: Rettungsstation und EAGLE- Truppenarzt, Notfallanlaufstelle und BAT. Auf der Übung Noble Ledger 2015 haben wir die gemeinsame Verlegung von Großgerät nach Norwegen erprobt und für die deutschen Anteile der Übung die sanitätsdienstliche Versorgung durchgeführt. (Bild: T. Suslik)

Um unsere NATO- Partner an der Ostgrenze des gemeinsamen Verteidigunggebietes besonders zu unterstützen wird durch die NATO ab 2016 eine VERY HIGH READINESS JOINT TASK FORCE (VJTF) aufgestellt, die unseren NATO- Partnerstaaten sehr schnell zur Hilfe kommen kann. Die Bundesrepublik Deutschland hat hierfür wesentliche Anteile der deutschen Kräfte NRF vorgesehen.

Im Jahr 2015 werden diese bereits auf den Bereitschaftgrad Interim Very High Readyness Joint Task Force (IVJTF) angehoben, da Deutschland sich im Rahmen dieses Pilotprojektes als Führungsnation zur Verfügung gestellt hat.

Die NRF-/ IVJTF-Bereitschaft gliedert sich in drei Phasen:

  1.  In der Stand up- Phase 2014 wurde die Staffel personell und materiell aufgestellt.
    Damit war 2014 das Jahr, in welchem sich die Sanitätseinsatzstaffel in den deutschen mechanisierten Gefechtsverband eingegliedert hat und gemeinsam mit Panzergrenadieren, Pionieren, Aufklärern, Artilleristen und vielen anderen das gemeinsame Vorgehen in bestimmten Situationen entwickelt und geübt hat.
    Für den Zentralen Sanitätsdienst lagen hier Herausforderungen darin, die entsprechenden geschützten Fahrzeuge EAGLE und BOXER bereitzustellen und das Personal als Kraftfahrer und Kommandanten auf diesen Fahrzeugen auszubilden. Seit der Umstrukturierung des Sanitätsdienstes sind die Kraftfahrer als Einsatzassistenten Unteroffiziere. Der Unteroffizierlehrgang, die medizinische und militäre Ausbildung einschließlich der Fahrschullehrgänge müssen miteinander koordiniert werden.
    Jeder einzelne Soldat der Sanitätseinsatzstaffel hat einen regulären Dienstposten in einem Sanitätsversorgungszentrum, einem Sanitätsunterstützungszentrum oder einem Sanitätsregiment. Ist er auf einem Lehrgang oder einer Übung für NRF /IVJTF, fehlt er an seinem originären Arbeitsplatz (Abb. 1).
  2. Seit Januar 2015 befinden wir uns in der Stand-by-Phase. Das Ziel ist es, die grundsätzliche Einsatzbereitschaft der gemeldeten Kräfte IVJTF zu 100 % sowie die Einsatz- und Verlegebereitschaft unter deutlich verkürzter Reaktionszeit/ Notice to Move (NTM)von 5 Tagen sicherzustellen. Dabei muss ein anspruchsvolles Programm an nationalen und internationalen Übungen absolviert werden.
    Im April 2015 haben wir in der Alarmierungsübung Noble Jump 15 (ALEX NOJP15) gezeigt, dass wir als Sanitätsdienst tatsächlich eigenständig in der Lage sind, innerhalb von lediglich fünf Tagen, die gesamte Sanitätseinsatzstaffel zu mobilisieren, das gesamte Material in Fahrzeugen und Containern zu verpacken, die Fahrzeuge einsatzbereit aufzurüsten und am Aufstellungsort Diez an der Lahn verlegebereit auffahren zu lassen.
    Im zweiten Anteil der Übung, der DeployExercise Noble Jump 15 (DepExNOJP15) haben wir mit Teilen tatsächlich eine solche Verlegung durchgeführt, Fahrzeuge und Container wurden per Eisenbahntransport verlegt, das Personal ist geflogen und wurde mit dem deutschen mechanisierten Gefechtsverband und internationalen Partnerverbänden zur IRF (Immediate Response Force) - Brigade in Polen zusammengeführt, wo wir gemeinsam mit den Kräften aus Norwegen und den Niederlanden das Leistungsspektrum dieser Brigade darstellen konnten.
    Mit beübt wurde dabei das aufzustellende Element der NATO Forces Integration Unit (NFIU) in Polen.
    In zwischenzeitlichen Übungen entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kameraden des Heeres Möglichkeiten, auf verschiedene Szenarien einzugehen.
    Für uns steht dabei natürlich die Verwundetenversorgung und der Verwundetentransport im Vordergrund, um unserem Grundsatz gerecht zu werden, jedem Verwundeten eine Behandlung zukommen zu lassen, die im Ergebnis der Behandlung zuhause in Deutschland entspricht (Abb. 2).
  3. Ab Januar 2016 werden wir dann im Rahmen der Stand-down-Phase NRF 2016 unterstützen (deutlich verlängerter NTM für evtl. Verlegungen) und sowohl uns als Personal als auch unser erworbenes Wissen und Können beitragen.
    Seitdem der Zentrale Sanitätsdienst der Bundeswehr eigenständig geworden ist, sind die Sanitäter nicht mehr integrales Mitglied eines Battaillons. In einem Gefechtsverband für den Einsatz müssen nun die Möglichkeiten des gemeinsamen Handelns in der Einsatzsituation entwickelt, vermittelt und geübt werden.
    Seitens des Materials versteht es sich, dass die Soldatinnen und Soldaten der Sanitätseinsatzstaffel mit Fahrzeugen der gleichen ⁄ort vom Verwundeten und als Zubringerfahrzeug für den Notarzt als BAT. Die Behandlungsmöglichkeiten im Fahrzeug sind allerdings sehr begrenzt.

PhotoAbb. 2: BOXER- nur ein Teil unserer Flotte. Im Rahmen der Alarmierungsübung Noble Jump 2015 werden hier die Rettungsfahrzeuge einsatzbereit gemacht, Fahrzeug, Sanitätsmaterial und personelle Fachkompetenz zu unserem wertvollsten Manöverelement zusammengeführt. (Bild: KdoRegSanUstg) Der BOXER bietet mehr Raum für die Behandlung und Transportkapazität für bis zu drei liegende Patienten und ist gleichzeitig in einer Weise geländegängig, dass er ohne Schwierigkeiten den Kettenfahrzeugen der Panzergrenadiere folgen kann.

Zusammen mit den Panzergrenadieren des Panzergrenadierbattailons 371 aus Marienberg haben wir Sanitäter seit 2014 in vielen gemeinsamen nationalen und internationalen Übungen unsere Qualifikation in den Gefechtsverband eingebracht und gemeinsam Operationsarten geübt, die in den gegenwärtigen Auslandeinsätzen nur selten notwendig sind – in Gefechten hoher Intensität statt der vertrauten Stabilisierungsoperationen.

Kohäsionsausbildung ist das Stichwort. In gegenseitigen Ausbildungen der verschiedenen Truppengattungen miteinander und füreinander wurden und werden Möglichkeiten aufgezeigt, Abläufe geübt und sich gegenseitig das kleine und große Gerät von der Handwaffe oder dem Verbandsmittel bis zum Schützenpanzer MARDER oder unseren BOXER näher gebracht.

Mit dem Kennenlernen kommt das Verstehen, mit dem miteinander Üben das gemeinsame Handeln.

Ziel ist es natürlich, für den Fall einer Verwundung eines Kameraden eine Sanitätsdienstliche Sicherstellung mit höchstmöglicher Versorgung am Besten noch vor Ort und eine Rettungskette aufzubauen, die im Ergebnis einen Behandlungserfolg ermöglicht, der dem in Deutschland in nichts nachsteht.

Eine besondere Herausforderung für die Soldatinnen und Soldaten der Sanitätseinsatzstaffel NRF/ IVJTF ist dabei, dass die Versorgung in den Heimateinheiten natürlich weiterhin in vollem Umfang aufrecht erhalten werden muss und wird.

NRF/ IVJTF mit seinen Übungen, den dazu gehörenden Lehrgängen zur Ausbildung und Einweisung an den Fahrzeugen, der Aufrechterhaltung der medizinisch-fachlichen Qualifikation sowie EAKK stellen eine zeitliche Belastung für die Soldatinnen und Soldaten der Sanitätseinsatzstaffel und auch für die Kameraden in den Sanitätsversorgungszentren, Sanitätsunterstützungszentren und Sanitätsregimentern dar, die oft über Wochen hinweg die Arbeit der in einsatzgleichen Verpflichtungen gebundenen Kameraden übernehmen.

Aber die Bemügungen sind erfolgreich:

Am Standort Diez ist eine Sanitätseinsatzstaffel zusammengezogen und materiell umfangereich ausgestattet.

In diversen Übungen haben wir nationale und internationale Zertifizierungen erreicht.

Schwerpunkt der Übungen war stets der militärische Teil unserer Arbeit – der fachliche Anteil ist unsere tägliche Arbeit:

Wir haben auf Kompanieebene geübt, wie sich die Rettungstrupps in die Kompanieeinsatzoffizier (KEO)- Gruppe einfügen, wie wir die Rettungskette auf der Ebene Bataillon gestalten und uns als Staffel aufstellen und in den Gefechtsverband integrieren.

Gar nicht selten waren wir, „ganz nebenbei“, auch noch für die reale Sanitätsversorgung mit zuständig.

Und doch werden noch einige Übungen auf uns zukommen, in denen wir das Zusammenwirken von Heer und Sanitätsdienst weiter herausarbeiten, voneinander lernen werden und so das Gefühl von Miteinander und Sicherheit verstärken können.

Die Integration in den deutschen Gefechtsverband einerseits und die Zusammenarbeit mit Sanitätskräften anderer Sanitätseinsatzstaffeln und der anderen Streitkräfte haben wir in vielen Bereichen, national und international zeigen können.

Auf die Frauen und Männer meiner Sanitätseinsatzstaffel NRF15 des Deutschen Mechanisierten Gefechtsverbandes kann der Zentrale Sanitätsdienst der Bundeswehr sehr stolz sein.

Datum: 12.11.2015

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2015/3