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"NEUE AUFGABEN IM ALTEN SCHLOSS"

DAS KOMMANDO REGIONALE SANITÄTSDIENSTLICHE UNTERSTÜTZUNG

Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr wurde 2012 mit einer umfassenden Reorganisation des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg), der Teilstreitkräfte sowie der militärischen Organisationsbereiche begonnen.

Organisatorisches Grundprinzip war hierbei – unter Anwendung eines „Top-down“-Ansatzes mit dem BMVg beginnend – die Zusammenführung von Kompetenz und Verantwortung in einer Hand. Dazu mussten Strukturen, Prozesse und Organisationskultur ganzheitlich betrachtet und aufeinander abgestimmt weiterentwickelt werden. Für den Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr (ZSanDstBw) bedeutete die Neuausrichtung die Zusammenführung von truppendienstlicher und fachdienstlicher sowie fachlicher Verantwortung unterhalb des BMVg in einer neuen Kommandostruktur mit nur noch einer höheren Kommandobehörde.  PhotoAbb. 1: Zielstruktur 2020 ZSanDstBw.

Nach Auflösung des Führungsstab des Sanitätsdienstes/ Stab Inspekteur des Sanitätsdienstes wird der ZSanDstBw seit Oktober 2012 durch das Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr (Kdo SanDstBw), Koblenz, geführt. Das Kdo SanDstBw wird – in Analogie zu den Höheren Kommandobehörden der Teilstreitkräfte und Militärischen Organisationsbereiche – vom Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr (InspSan) geführt.
Im nachgeordneten Bereich nehmen zwei sogenannte Fähigkeitskommandos, die Sanitätsakademie der Bundeswehr (SanAkBw) sowie der Kommandeur Gesundheitseinrichtungen des Kdo SanDstBw mit der Abteilung C des Kommandos (Krankenhausmanagement, Grundsatzforderungen und Management von Gesundheitseinrichtungen) die truppen- und fachdienstliche Führung in ihrem jeweiligen Verantwortungs- und Aufgabenbereich wahr. Anfang Januar 2013 wurde das Kommando Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung (Kdo RegSanUstg) in Diez in Dienst gestellt, das – im traditionsreichen Schloss Oranienstein beheimatet – die ambulante Inlandsversorgung und regionale sanitätsdienstliche Ausbildungs- und Übungsunterstützung der Truppebundesweit führt und steuert.Zur Erfüllung seiner Aufgaben stehen dem Kommandeur des Kdo RegSanUstg, Generalstabsarzt Dr. Dirk Raphael, etwa 195 soldatische und zivile Mitarbeiter zur Verfügung.

Kommandobereich

Im Rahmen des „Top-down“-Ansatzes der Neustrukturierung der Bundeswehr nimmt das Kdo RegSanUstg seit Anfang 2013 bundesweit alle Aufgaben der ambulanten Inlandsversorgung und regionalen sanitätsdienstlichen Ausbildungs- und Übungsunterstützung der Truppe als Führungsebene wahr, ohne dass die regional nachgeordnete, zukünftige Führungsstruktur – 13 sogenannte Sanitätsunterstützungszentren (SanUstgZ) – in der Fläche bereits eingenommen worden ist.
Von den ehemals vier Sanitätskommandos (SanKdo) wurden zwei (SanKdo II in Diez sowie SanKdo III in Weißenfels) bereits außer Dienst gestellt, die beiden SanKdo I in Kiel und IV in Bogen nehmen – mit deutlich reduziertem Personalbestand – ihre Aufgaben als truppen- und fachdienstliches Führungskommando für die Regionalen Sanitätseinrichtungen (RegSanEinr) ihres Kommandobereichs weiterhin wahr. Die RegSanEinr der ehemaligen Kommandobereiche II und III werden unmittelbar aus Diez heraus durch den Stellvertretenden Kommandeur des Kdo RegSanUstg geführt.
Hieraus resultiert für eine Übergangsphase ein – nicht vermeidbares – Spannungsfeld: Zum einen werden zwei SanKdo „operativ“ geführt, zum anderen müssen – häufig gleichzeitig – „taktische“ Detailaufträge bis hin zur Wahrnehmung von Einzelaufgaben auf einem Truppenübungsplatz vom Kdo Reg- SanUstg gesteuert werden.Alternative Planungen zur strukturellen Ausgestaltung der Übergangsphase bis zur Indienststellung der SanUstgZ, wie z. B. der temporäre Erhalt aller vier SanKdoim Sinne eines parallelen Betrieb sowohl der alten als auch der neuen Führungselemente, waren aber weder haushälterisch vertretbar noch personaltechnisch realisierbar.
Nach derzeitigem Kenntnisstand werden voraussichtlich ab Anfang 2015 dreizehn Sanitätsunterstützungszentren (SanUstgZ) die truppen- und fachdienstlichen „taktischen“ Führungsaufgaben in der Fläche übernehmen. Bis dahin werden die SanKdo I und IV weiter im Dienst bleiben. Voraussichtlich 127 Sanitätsversorgungszentren (SanVersZ), davon 20 mit einer Außenstelle, sowie das Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr (ZSport- MedBw)werden in der Zielstrukturdie ambulante Versorgung im Inland in der Fläche sicherstellen.
In den zukünftigen SanUstgZ werden Stabsfunktionen und -aufgaben auf regionaler Ebene weitgehend gebündelt werden, was einer stringenten und gestrafften Führungsund Unterstützungsorganisation dient. Die SanUstgZ übernehmen damit im Regionalbezug die Führungsrolle als Dienstleister und Koordinator sowohl für die unterstellten Einheiten als auch für die zugeordneten Bedarfsträger aus dem Bereich der zu unterstützenden Truppe. Die unterstellten SanVersZ werden weitgehend von Führungs- und Unterstützungsaufgaben entlastet werden und können sich zukünftig umfänglicher ihren fachlich-kurativen und Begutachtungsaufgaben widmen (Abb. 1).
Die sanitätsdienstliche Unterstützung im Bereich der Role-1-Versorgung wird zukünftig bereits im Grundbetrieb durch sogenannte „Sanitätsstaffeln Einsatz“ (SanStff Eins) – stationiert an ausgewählten RegSanEinr – abgebildet werden, was einer weitergehenden und umfassenden Kohäsion mit der Kampftruppe im Rahmen der Einsatzvorbereitung dienen wird. Die SanStff Eins werden aufbauorganisatorisch grundsätzlich an SanUstgZ aufgestellt, werden aber auch bedarfsgerechtin Form regionaler Züge an weiteren Standorten der Truppemit lokalem Unterstützungsbedarf – z. B. auf Truppenübungsplätzen und Militärflughäfen – ausgebracht.
Neben der Sicherstellung der Role-1-Versorgung unterstützen die Kräfte der SanStff Eins den Grundbetrieb der Truppe (z. B. Flugunfallbereitschaft, tauchmedizinische Aufgaben) die sanitätsdienstliche Ausbildung der Truppe im Inland, bilden Übungsverbünde mit der Truppe und nehmen gemeinsam mit dieser an entsprechenden Übungsvorhaben teil. PhotoAbb. 2: Gliederungsbild Stab Kdo RegSanUstg mit unterstelltem Bereich.

Gliederung und Aufgaben

Im Gegensatz zum Prozess orientiert aufgestellten Kdo SanDstBw, Koblenz, ist das Kdo RegSanUstg „klassisch“ in Stabsabteilungen und Führungsgrundgebiete gegliedert (Abb. 2). Diese Gliederung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Zusammenführung von Kompetenz und Verantwortung in einer Hand im Bereich der ambulanten Inlandsversorgung und sanitätsdienstlichen Unterstützung nur möglich ist, wenn auch im Kdo Reg- SanUstg im prozessualen Sinn geführt und gesteuert wird.
Als Ausdruck der Zusammenführung von Kompetenz und Verantwortung in einer Hand wird aus der Abteilung G3 des Kdo RegSanUstg heraus – neben der operativen Führung des Systemverbundes der Regionalen Sanitätsdienstlichen Unterstützung – auch die Militärärztliche und Militärzahnärztliche Begutachtung und Heilfürsorge im Unterstellungsbereich geleitet und gesteuert. Gleiches gilt für die Präventiv- und Betriebsmedizinische Versorgung, das Qualitätsmanagement, Medizincontrolling und die Psychosoziale Unterstützung in den RegSanEinr des ZSanDstBw.
Mit Aufstellung des Kdo RegSanUstg wurde die Projektgruppe zur Neuausrichtung der regionalen Sanitätsdienstlichen Unterstützung vom Kdo SanDstBw in das Diezer Kommando überführt. Schwerpunkt der Projektgruppenarbeit wird nun – in enger Abstimmung mit den Bedarfsträgern – die Ausarbeitung eines Plans zum „Change Management“ sein. Hierbei werden alle uns zur Verfügung stehenden Ressourcen mobilisiert werden, um auch in Zukunft ein qualitativ gute regionale sanitätsdienstliche Versorgung und Unterstützung der Truppe unterbrechungsfrei sicherstellen zu können.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Bundeswehr – und damit auch der ZSanDstBw – befindet sich mitten in einer Phase der umfassenden Neustrukturierung. Das Anfang 2013 in Dienst gestellte Kdo Reg- SanUstg steht hierbei – als eines der beiden Fähigkeitskommandos des ZSanDstBw – für die Zusammenführung von truppendienstlicher und fachdienstlicher sowie fachlicher Verantwortung und Führung aus einer Hand. Das Kommando führt und steuert bundesweit die ambulante Inlandsversorgung und regionale sanitätsdienstliche Ausbildungs- und Übungsunterstützung der Truppe.
Obwohl die zukünftige regionale Führungsstruktur mit 13 geplanten SanUstgZ noch nicht eingenommen ist, hat das Kdo RegSan - Ustg mit dem Tag der Indienststellung die truppendienstliche, fachdienstliche sowie fachliche Führung und Steuerung der regionalen sanitätsdienstlichen Versorgung und Unterstützung voll umfänglich übernommen. Als wichtigste Aufgabe der unmittelbaren Zukunft gilt es nun, den Übergang in die voraussichtlich Anfang 2015 einzunehmende neue Struktur der ambulanten Inlandsversorgung und sanitätsdienstlichen Unterstützung auszuplanen und zu begleiten. Eine ganz besondere Herausforderung, der sich nicht nur die Projektgruppe zur Neuausrichtung der regionalen Sanitätsdienstlichen Unterstützung, sondern das gesamte Kdo RegSanUstg in Diez mit Priorität widmen wird.

Datum: 04.03.2014

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2013/4

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