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DIE NEUE SANITÄTSAKADEMIE DER BUNDESWEHR

Mit einem feierlichen Appell wurde am 2. Juli 2013 die Sanitätsakademie der Bundeswehr dem Kommando Sanitätsdienst unterstellt.

(Abb. 1)

In der Führungsstruktur des Sanitätsdienstes reiht sich die Akademie nun neben die beiden Fähigkeitskommandos ein und ist damit in der Wertigkeit deutlich angehoben worden. Gleichzeitig begann mit der Übernahme der drei Institute für Medizinischen ABC-Schutz, von Anteilen des Sanitätsamtes der Bundeswehr und einer internen Umstrukturierung ein bis heute anhaltender Umgliederungsprozess.

(Abb 2)
Leitgedanken bei der Neugestaltung und Umstrukturierung der Sanitätsakademie der Bundeswehr waren zum einen der Anspruch, dass dort, wo geforscht und entwickelt wird, auch Ausbildung geplant, gestaltet und ein großer Anteil Individualausbildung gelehrt werden solle. Hinzu kam die Realisierung einer prozessorientierten Struktur dieses dritten Fähigkeitsbereiches des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. In der „neuen“ Sanitätsakademie als Kompetenzzentrum des Sanitätsdienstes werden daher Erkenntnisse aus Einsatz, Wissenschaft und Fähigkeitsanalyse aufbereitet und diese in sanitätsdienstliche Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen umgesetzt. Nach wie vor ist die Akademie die zentrale und größte Ausbildungseinrichtung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr und hat einen umfassenden Ausbildungsauftrag. Demnach vereinigt sie folgend Aufgabengebiete: (Abb. 3)

  • Akademie für die postuniversitäre und berufsbegleitende Ausbildung der Sanitätsoffiziere aller Approbationen
  • Akademie für die Aus- und Fortbildung von Assistenzberufen im Gesundheitswesen
  • Offizierschule des Sanitätsdienstes
  • Unteroffizierschule des Sanitätsdienstes
  • Schule für Sanitätsausbildung von Nicht-Sanitätspersonal

Im Rahmen der Umstrukturierung sind die schon bestehenden Lehrgruppen der „alten“ Akademie mit Fachabteilungen und den drei Ressortforschungsinstituten aus dem Zuständigkeitsbereich des ehemaligen Sanitätsamtes der Bundeswehr vereinigt und zusammengeführt worden. Entstanden sind daraus zwei korrespondierende Säulen „Wissenschaft und Fähigkeitsentwicklung“ sowie „Lehre“.
Neben einem deutlich leistungsfähigeren Stab stehen der Kommandeurin als neue Leitungsebenen somit die Direktorate „Wehrmedizinische Wissenschaft und Fähigkeitsentwicklung Sanitätsdienst der Bundeswehr“ und „Ausbildung und Lehre Gesundheitsversorgung Bundeswehr“ zur Verfügung.

Bereich „Wissenschaft und Fähigkeitsentwicklung“

Der Bereich „Wissenschaft und Fähigkeitsentwicklung“ der Akademie vereinigt nicht nur die sanitätsdienstliche Einsatzauswertung, die Forschung und Entwicklung sowie Anteile der Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung. Zur Erzielung größtmöglicher Synergieeffekt sind hier sind auch der Medizinische ABC-Schutz und veterinärmedizinische Expertise integriert. (Abb. 4)

Das für die Verwirklichung eines Kompetenzzentrums notwendige Expertennetzwerk ist bereits in der Aufbauorganisation der Sanitätsakademie/des Direktorats angelegt. Durch Personalunionen bzw. Wahrnehmungsbeziehungen zwischen Dienstposten beider Direktorate mit Lehrverpflichtungen als Fachlehrer wird ein reibungs- und verzugsloser Informationsaustausch und Know-how-Transfer gewährleistet. Informationsaustausch, Zusammenarbeit und Wissenstransfer beschränken sich dabei nicht nur auf die Sanitätsakademie der Bundeswehr. Auf Grund seines Aufgaben- und Fähigkeitszuschnitts ist das Direktorat Drehscheibe und Motor für Austausch, Zusammenarbeit und Wissenstransfers zwischen der SanAkBw und den Kommandos des Sanitätsdienstes, mit den dem BMVg unmittelbar nachgeordneten Dienststellen Einsatzführungskommando und Planungsamt, den (Fähigkeits-) Kommandos der militärischen Organisationsbereiche, dem BAAINBw usw. Darüber hinaus ist das Direktorat auch mit Einrichtungen, Institutionen und Organisationen im In- und Ausland, insbesondere verbündeter und befreundeter Nationen im Bereich der sanitätsdienstlichen Forschung und Versorgung vernetzt.
Das Direktorat „Wehrmedizinische Wissenschaft und Fähigkeitsentwicklung“ agiert somit in vielfältigen Arbeits- und Wirkungsbeziehungen mit anderen Schlüsselressorts, leistet Forschung auf wissenschaftlich anerkanntem Niveau und bietet entsprechende Dienstleistungen, z. B. in der Politikberatung. (Abb 5)
Die gesamte wehrmedizinische und wehrpharmazeutische Forschung der Bundeswehr wird in der neuen Abteilung E (Grundlagen wehrmedizinischer Forschung und Entwicklung) geplant und koordiniert. Der Sanitätsdienst ist auf eine eigenständige wissenschaftliche Untersuchung medizinischer Gegebenheiten unter militärischen Rahmenbedingungen angewiesen, wobei durchaus auch Forschungskooperationen mit zivilen Institutionen gebildet werden können. Auf diese Weise stellt die wehrmedizinische Forschung und Entwicklung einen wesentlichen Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Sanitätsdienstes der Bundeswehr dar. Über die reine Schließung wehrmedizinischer Fähigkeitslücken hinaus bearbeitet die Forschung im Sanitätsdienst auch Fragestellungen ohne unmittelbaren derzeitigen Handlungsbedarf, um frühzeitig neue Entwicklungen aufnehmen und im Hinblick auf ihre wehrmedizinische Relevanz bewerten zu können. Zudem werden wissenschaftliche Dienstleistungen zur Verfügung gestellt, z. B. als Politikberatung. Es ist unmittelbar nachvollziehbar, dass der Sanitätsdienst der Bundeswehr im Bereich des Medizinischen ABC-Schutzes ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland besitzt. Aber auch auf dem Gebiet der Psychotraumatologie kommt ihm eine wissenschaftliche Vorreiterrolle zu, also bei der Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS), von denen neben Polizistinnen und Polizisten oder Feuerwehrleute in besonderem Maße auch Soldatinnen und Soldaten betroffen sind.
Ein weiteres Beispiel für die Forschungsaktivitäten des Sanitätsdienstes der Bundeswehr stellt der gerade anlaufende Forschungsverbund im Bereich der regenerativen Medizin dar. Gemeinsam mit ausgewiesenen zivilen Institutionen werden therapeutische Konzepte zur Behandlung einsatzbedingter Verletzungen entwickelt, um eine möglichst vollständige Wiederherstellung gestörter Körper- und Organfunktionen zu erreichen. Das Ziel aller Forschungsanstrengungen des Sanitätsdienstes ist letztlich die bestmögliche Gesamtversorgung körperlich oder psychisch verletzter Soldatinnen und Soldaten auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Mit der Aufstellung der Abteilung E ist im Direktorat „Wehrmedizinische Wissenschaft und Fähigkeitsentwicklung Sanitätsdienst“ an der Sanitätsakademie der Bundeswehr der Knotenpunkt wehrmedizinischen Forschung und Entwicklung entstanden. Hier werden gemeinsam mit den Wissenschaftlern des Sanitätsdienstes neue Trends aufgespürt und bewertet. Dadurch können Schwerpunkte der Forschung identifiziert und strategische Forschungsziele verfolgt werden, die letztlich in die Beauftragung konkreter Forschungsprojekte münden. Aufgrund der zunehmenden Komplexität besonders der rechtlichen Rahmenbedingungen wird dabei zur vertraglichen Realisierung externer Forschungsprojekte eng mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr zusammengearbeitet. Im Rahmen der Neustrukturierung der Bundeswehr und dem Neuaufbau der SanAkBw wurde auch der Dienstposten Tierschutzbeauftragter (TierSchBeauftrBw) für die Bundeswehr in die Abteilung E verlagert. Die Aufgaben des Tierschutzbeauftragten sind im Tierschutzgesetz und der Versuchstierverordnung geregelt und für den Bereich der Bundeswehr in den Durchführungsbestimmungen zum Tierschutzgesetz umgesetzt. (Abb. 6)
Als Arbeitsmuskel das Kdo SanDstBw unterstützt die Abteilung G (Grundlagen Fähigkeitsentwicklung und Weiterentwicklung Sanitätsdienst) bei der Darstellung der Fähigkeitslage und dem Fähigkeitsmanagement sowie bei der Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung. Hier werden die Aufgaben Fähigkeits- und Technologieentwicklung, Dienstvorschriften, die Einsatzauswertung des Sanitätsdienstes, Operations Research/Modellbildung und Simulation/Concept Development & Experimentation sowie Wissensmanagement wahrgenommen.

Medizinischer ABC-Schutz und Ressortforschungsinstitute

Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr ist auf der Ebene BMVg und Kdo SanDstBw keine Fachkompetenz für den Med ABC-Schutz ausgebracht. Die Zuständigkeit für Fachaufsicht, Sicherstellung der Task Force Med ABC-Schutz, die Durchführung der lehrgangsgebundenen Ausbildung und die konzeptionelle und materielle Weiterentwicklung sind daher im Zuständigkeitsbereich SanAkBw zusammengefasst. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr verfügt mit den drei Ressortforschungsinstituten des Medizinischen ABC-Schutzes über singuläre nationale Ressourcen, welche sich langjährig in verschiedensten zivil-militärischen Unterstützungsszenarien bewährt haben. Dies beinhaltet vertragliche Verpflichtungen, z. B. gegenüber OPCW, WHO, IAEA, oder die Funktion als Referenzlabor mit der jederzeitigen Bereitstellung von Untersuchungs- und Beratungsleistungen für den zivilen Bereich. Als Folge der nationalen und internationalen Vernetzung der Institute des Med ABC-Schutzes werden Anfragen und Unterstützungsersuchen aus dem zivilen Bereich in der Regel direkt an die Institute gerichtet. Hier hat die Abteilung F in der Funktion des Bea Med ABC-Schutzes die Aufgabe, solche Impulse für den gesamten Med ABC-Schutz sach- und ebenengerecht in die Führungsstruktur des SanDstBw und der Bundeswehr einzubringen.
Die Task Force Med ABC-Schutz besteht aus Experten der Abteilung F und der Institute. Ihre Aufgaben liegen darin, die Fähigkeiten „Reach-Back-Capability“ home based, „Aufklärungs- und Diagnosefähigkeit“ in theatre, „fachliche Beratung der militärischen und politischen Führung“ und „Identifikation und Verifikation von ABC-Expositionen“ durchgängig und kurzfristig abrufbar zur Verfügung zu stellen. Das Personal steht ständig bereit, innerhalb von 72 Stunden weltweit zu verlegen.
Im Zusammenwirken von medizinischer und naturwissenschaftlicher Forschung, klinischen Erkenntnissen und Erfahrungen sowie unter Berücksichtigung militärischer Rahmenbedingungen wird die sanitätsdienstliche Versorgung ABC-Exponierter laufend weiterentwickelt. Dabei wird die Forschung als STAN-Forschung der Institute oder im Rahmen von Kooperationen mit zivilen Forschungspartnern oder Auftragsnehmern durchgeführt. Das Ziel ist die Entwicklung von feldverwendungsfähigen Systemen und Verfahren zur Prophylaxe, Diagnose und Therapie von ABC-Gesundheitsstörungen:1

Bereich „Lehre“ (Abb. 7)

Der Bereich „Lehre“ der Sanitätsakademie sieht eine Zusammenfassung der Verantwortung für Inhalt, Grundlagen, Management und Durchführung der Lehre in einer Hand vor. Das Direktorat (Ausbildung und Lehre Gesundheitsversorgung der Bundeswehr) bildet die zweite große Säule der neuen Sanitätsakademie. Es umfasst die drei Abteilungen A, B und C sowie die beiden Lehrgruppen A und B, aus denen im Rahmen der nächsten STAN-Anpassung eine neue Abteilung D (Ausbildung) entstehen wird. Diese wird zuständig sein für den Gesamtbereich der Durchführung und Koordination von Lehrgängen und Seminaren sowie für die Betreuung der Lehrgangsteilnehmer an der Akademie. Der Direktor Ausbildung/Lehre ist zudem Disziplinarvorgesetzter für etwa 160 am Standort München studierende Sanitätsoffizieranwärter.

In der Abteilung A Lehre Gesundheitsversorgung (Abb. 8) sind die Fachlehrer und Ausbilder gebündelt. Sie führen die Aus-, Fort- und Weiterbildungsvorhaben durch und vermitteln den Lehrgangsteilnehmern in Unterrichten theoretische und praktische Kenntnisse und Fertigkeiten. In der Abteilung wird die Vernetzung von verschiedenen Funktionen mit fachlicher Kompetenz und das Ineinandergreifen von Abläufen in der Akademie besonders deutlich. Ausgebracht sind in den insgesamt fünf Fachbereichen Dienstposten, die neben ihrem Hauptauftrag der Ausbildung und Lehre in die Grundlagen-, Forschungs- und Weiterentwicklungsarbeit der Abteilungen des Direktorates Wissenschaft und Forschung mit eingebunden sind. Umgekehrt gibt es auch im Wissenschaftsdirektorat Mitarbeiter, die ein Lehrdeputat besitzen. Dadurch sind Einheitlichkeit von, sowie direkter Informationsfluss zwischen den beiden Bereichen sichergestellt im Sinne einer direkten Rückkopplung aus der Ausbildung und Lehre in die Abteilungen des anderen Direktorates. Erkenntnisse aus der Grundlagenarbeit (z. B. der Einsatzauswertung), der Weiterentwicklung (z. B. der Gesundheitsversorgung), oder aus Wissenschaft und Forschung (z. B. im Bereich des medizinischen ABC-Schutzes) können schnell in Ausbildung und Lehre umgesetzt werden. Somit ist die Abteilung A der entscheidende Träger für die Neuausrichtung der Lehre und der Veränderungen der Lehr-Lernformate. Insgesamt arbeiten hier 13 Offiziere und etwa 20 Sanitätsunteroffiziere. (Abb. 9)

Die Abteilung B zeichnet in fünf Sachgebieten verantwortlich für Konzeption und Grundlagen von Personalentwicklung sowie von Aus-, Fort-und Weiterbildung im Sanitätsdienst - nationale und internationale Ausbildungskooperation sowie zivilberufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung inbegriffen. Auch sie liefert damit als Arbeitsmuskel wesentliche Zuarbeit für Überlegungen und Entscheidungen zu diesen Themen auf der eher strategischen Ebene des Kdo SanDstBw oder des BMVg. Hier werden die Ausbildungsweisungen erarbeitet, aber auch die methodisch-didaktischen Grundlagen für die gesamte lehrgangsgebundene Ausbildung und den fachlichen Kompetenzerhalt im Sanitätsdienst. Dies beinhaltet auch die Umsetzung von streitkräftegemeinsamen Ausbildungsvorgaben, z. B. werden hier die Ausbildungsgrundlagen für die Ausbildung der Einsatzersthelfer A und B konzipiert, gepflegt und weiterentwickelt.
Einen weiteren Schwerpunkt und ein Alleinstellungsmerkmal im Sanitätsdienst der Bundeswehr stellt die Steuerung der ZAW-Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sanitätsdienstes dar. Deren geplante zivilberufliche Ausbildung steuert die Abteilung B in enger Absprache mit den Stamm-Dienststellen und dem BAPersBw vom Beginn bis zum Ende der Ausbildung. Ferner ist die Abteilung B stark in die Mitarbeit bei dem Untersuchungsauftrag des Generalinspekteurs zur Weiterentwicklung der Ausbildung eingebunden, der im Jahr 2013 begonnen hat und die komplette Ausbildungslandschaft der Bundeswehr untersucht. So wird bei insgesamt 14 Themenfeldern mitgearbeitet, in einem Themenfeld (Kategorie 13 „Ressourcenneutralität“) als Federführer und POC für den ZSanDstBw. Themenfelder sind z. B. gerade für den Sanitätsdienst interessante Vorhaben wie Weiterentwicklung der Grundausbildung, Führungskräftetraining, Akademisierung von Laufbahnen der OffzTrd und OffzMilFD und der einsatzvorbereitenden Ausbildung.

Die Abteilung C „Zentrales Ausbildungsmanagement und Technologiegestützte Ausbildung Sanitätsdienst“ ist in sechs Sachgebiete gegliedert. Sie bietet der gesamten Sanitätsakademie, zum Teil sogar dem gesamten zentralen Sanitätsdienst, vielfältige Unterstützung in Form der Bereitstellung moderner, technologiegestützter wie klassischer Ausbildungsmittel. Zudem werden hier die zentrale externe wie interne Planung und Steuerung der Ausbildung durchgeführt, ebenso wie das Qualitätsmanagement und die Evaluierung von Ausbildung. Schließlich werden Ausbildungseinrichtungen oder Lehrsammlungen wie die Wehrgeschichtliche und die Wehrpathologische Lehrsammlung betrieben.
Zu den wesentlichen Aufgaben gehört eine smarte Ausrichtung und Modernisierung der Lehrgangslandschaft mit einer methodisch-didaktischen Ideenvielfalt. Hierunter versteht man eine durch Methoden des Qualitätsmanagements gesteuerte Verschlankung und Harmonisierung von Lehr- und Lernprozesse. Als Beispiele der Modernisierung der Ausbildung können hier angeführt werden: Die Virtualisierung, z. B. durch Einrichtung der Internet-Plattform SanNetz als Ausbildungs- und Führungsinstrument. Hinzu kommen die Bereitstellung von e-books und e-Journals über die virtuelle Bibliothek. Außerdem wird ein serious Game (physiologisches Verwundetenmodell) in einem ersten Schritt für die Zielgruppe Einsatzersthelfer B entwickelt.
Weiterer Fokus der Aufgaben der Abteilung C ist die Technisierung von Ausbildungsverfahren, hier steht z. B. das CPM- Projekt „Moderne Ausbildungstechnik für Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr“. In der ersten Ausbaustufe 2014 wird die SanAkBw als erste Ausbildungseinrichtung der Bundeswehr mit einem Investitionsvolumen von 2,5 MIO € mit moderner Ausbildungstechnik ausgestattet. (Laptops, Docking-Stations in den Unterrichtsräumen und Unterkünften) .

In den beiden Lehrgruppen A und B (Abb. 10) findet bis zur Zusammenführung als Abteilung D die Durchführung der lehrgangsgebundenen, laufbahn- und verwendungsbezogenen Aus- Fort- und Weiterbildung für alle Laufbahngruppen des Sanitätsdienstes statt. Nach wie vor wird an den fünf Fachschulen Rettungsdienst bis zu ihrer Auflösung und Aufstellung der Ausbildungssimulationszentren die sanitätsdienstliche Ausbildung von Nicht-Sanitätspersonal durchgeführt. Aktuelle methodisch/didaktische Ausbildungskonzepte, die Anpassung an bestehende zivilen Vorgaben für den Erwerb ziviler Anerkennungen sowie künftige Trainingsangebote in einer Fremdsprache sind Garant für die Attraktivität des Ausbildungsangebotes der Sanitätsakademie sowohl bei unseren militärischen Bündnispartnern wie bei zivilen Institutionen.

Die Akkreditierung der Sanitätsakademie als „International Training Center“ der American Heart Association (AHA) und als „Training Site“ von PHTLS Deutschland unterstreicht die Wertigkeit der Einbindung internationaler Standards in die Ausbildung. Die durch beide Organisationen zertifizierten Lehrgänge, „Basic Life Support“ (BLS), „Advanced Cardiac Life Support“ (ACLS) und „Pre-Hospital Trauma Life Support“ (PHTLS) gewährleisten nicht nur die Standardisierung von Ausbildungsinhalten und -methoden, sondern auch die Kompatibilität zu anderen Sanitätsdiensten im Einsatz. Die Lehrgänge werden durch in speziellen Kursen umfassend geschulten Instruktoren der Lehrgruppe A und Abteilung A sowie durch Angehörige anderer Dienststellen und Reservedienstleistende durchgeführt.
Die Lehrgruppe B führt Laufbahnlehrgänge für Unteroffiziere, Sanitätsoffizieranwärter, Offiziere des militärfachlichen Dienstes, Sanitätsoffiziere der Reserve und Seiteneinsteiger mit Approbation durch. Sie ist somit für die Ausbildung im „grünen“ – allgemein-militärischen Bereich verantwortlich.
Zusätzlich gehört zum Spektrum der Lehrgruppe B auch eine Sprachausbildungsinspektion, in der fremdsprachliche Inhalte durch das Bundessprachenamt – ausgehend von verschiedenen Ausbildungshöhen – vermittelt werden.

Ausblick (Abb. 11)

Die „neue“ Sanitätsakademie der Bundeswehr setzt ihren Umstrukturierungsprozess zügig fort. Mittlerweile sind fast alle Dienstposten besetzt. Wichtige Projekte, wie die Weitentwicklung der Lehrgangslandschaft, die STAN Überarbeitung von Personal und Material oder die Implementierung der Forschungsprojekte „QM und Controlling für Forschung und Entwicklung (FuE) im Sanitätsdienst“ oder „Wissenschaftliche Entwicklung eines QMS für die Ausbildung im Sanitätsdienst“ laufen planmäßig unter Einbindung nahezu aller Abteilungen im Rahmen von Projektorganisationen. Dabei fokussiert die Akademie das Ziel, sich zu dem Kompetenzzentrum für sanitätsdienstliche Wissenschafts-, Entwicklungs- und Ausbildungsaufgaben der Bundeswehr zu entwickeln. Dabei wird von ihr die bestmögliche und gezielte Entwicklung von Fähigkeiten für Einsatzaufgaben in multinational vernetzt arbeitenden Streitkräften erwartet. Wie auch im zivilen Bereich sind Wissenschaft und Forschung – auch in „streitkräfte-relevanten Gesundheitswissenschaften“, ebenso wie Aus-, Weiter- und Fortbildung nicht mehr ohne ein entsprechendes internationales Netzwerk möglich. Es muss daher zielgerichtet daran gearbeitet werden, die Multinationalität in der Lehre zu verstärken und inhaltlich wie organisatorisch bei der Weiterentwicklung von Lehr- und Ausbildungsanteilen zu berücksichtigen. Das bedeutet – unter dem Aspekt „smart defence“ – neue Wege in der Ausbildungszusammenarbeit und in der nationalen und internationalen Forschungszusammenarbeit zu finden.
Somit könnte die „neue“ Sanitätsakademie auch eine stärkere Rolle bei multinationalen sanitätsdienstliche Bildungsaufgaben übernehmen und Ausbildungsangebote für europäische Partner liefern.

1 Die drei Med ABC-Schutz-Institute werden im Rahmen eines eigenen WEHRMEDIZIN und WEHRPHARMAZIE Heftes näher vorgestellt.

Datum: 01.07.2014

Quelle: Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2014/2